Architek-Tour

Ges­tern sind wir nach Pill­nitz raus­ge­fah­ren, einem mitt­ler­wei­le ein­ge­mein­de­ten Ort am Ran­de von Dres­den. Mit der Fäh­re ging es über die Elbe zum gleich­na­mi­gen Schloss mit Park und ich muss sagen: die­ser Aus­flug hat sich rich­tig gelohnt! Über eine Kas­ta­ni­en­al­lee (die August der Star­ke eigent­lich als Ver­bin­dungs­stück zwi­schen sei­nem Som­mer­schloss in Pill­nitz und Dres­den geplant hat­te, bevor ihm das Geld aus­ging) erreicht man von einem male­ri­schen Park­platz aus das sehens­wer­te Schlossgelände. 

Schloss­gar­ten in Pill­nitz, mit Blick auf die Kastanienalle

Wäh­rend einer unge­fähr ein­stün­di­gen Füh­rung haben wir viel Wis­sens­wer­tes über den Gar­ten und die Gebäu­de erfah­ren. Anschlie­ßend haben wir uns im Schlos­s­ca­fé erst ein­mal diver­se Heiß­ge­trän­ke gegönnt, bevor wir das Gelän­de noch wei­ter erkun­det haben. 

Was­ser­pa­lais an der Elbseite
Haupt­haus

Beson­ders gut hat uns die Viel­sei­tig­keit des Parks gefal­len. Wir haben eini­ge abge­le­ge­ne, lau­schi­ge Ecken ent­deckt. Pal­men­haus und Oran­ge­rie sind momen­tan wegen der Coro­na-Pan­de­mie lei­der nicht zu besich­ti­gen, aber wir konn­ten es nicht las­sen, die präch­ti­gen Pflan­zen durch die zahl­rei­chen Fens­ter zu bewun­dern. Die Oran­ge­rie beher­bergt sogar noch 6 Oran­gen­bäu­me, die August der Star­ke vor ca. 300 Jah­ren selbst erwor­ben hat! Da die Schloss­gärt­ner Mit­te Okto­ber schon eif­rig damit beschäf­tigt sind, den Gar­ten win­ter­fest zu machen, waren vie­le Kübel­pflan­zen lei­der schon von den Wegen verschwunden. 

Blick auf den herbst­lich ver­färb­ten kana­di­schen Ahorn
Eng­li­scher Pavillon 
Im Innern des Pavillons

Am Spät­nach­mit­tag wur­de lei­der das Wet­ter schlech­ter, wes­halb wir uns aus dem Park in das Berg­pa­lais flüch­te­ten. Hier waren wir vor allem von den Gestal­tung der Wän­de und Decken beein­druckt. Auch wenn die asia­tisch inspi­rier­ten Male­rei­en viel­leicht etwas kit­schig wir­ken mögen, sind sie doch beeindruckend. 

Im Innern des Bergpalais

Was­ser­pa­lais und Berg­pa­lais lie­gen sich im Übri­gen gegen­über, getrennt durch ein Ron­dell mit Fon­tä­ne. Das Was­ser­pa­lais schul­det sei­nen Namen der Elbe, die hin­ter dem Gebäu­de fließt, und das Berg­pa­lais den Aus­läu­fern des Lau­sitz, die das Bau­werk flankieren. 

Wer sich für Schlös­ser und Schloss­parks begeis­tern kann, dem sei Pill­nitz wärms­tens emp­foh­len! Wir haben hier eini­ge ver­gnüg­li­che Stun­den ver­bracht — wie ehe­dem der zum Lust­wan­deln aus Dres­den ange­reis­te Adel. 

Kontraste

Dres­den ist eine Stadt der Kon­tras­te. Hier fin­det man viel Gegen­sätz­li­ches. Sym­bo­lisch zum Beispiel:

Im Vor­der­grund der Gol­de­ne Rei­ter, eine beein­dru­cken­de Prunk-Sta­tue August des Star­ken. Im Hin­ter­grund Plattenbau.

Ange­baut an die alt-ehr­wür­di­ge Sem­per­oper fin­det sich ein Bau im Stil der 70er mit pas­sen­den Design-Ele­men­ten. Dres­den ist gleich­zei­tig Groß­stadt und ruhi­ger Ort. Die alte Innen­stadt hat gro­ße Plät­ze, wenig Ver­kehr und Platz für Menschen.

Dort fin­den sich Glas­ge­bäu­de neben alten Rei­hen­häu­sern, direkt gegen­über der Frau­en­kir­che. Hier tref­fen sich Moder­ne und Altertum.

Vie­le der alten impo­san­ten Pracht­bau­ten sind im Krieg zer­stört wor­den, wenn nicht durch Bom­ben, dann durch Feu­er (wie die Frau­en­kir­che). Das Alles wird wie­der auf­ge­baut und Dres­den ist eine Samm­lung von (Groß-)Baustellen. Den Charme des Alten ver­sucht man dabei zu erhal­ten, bei his­to­ri­schen Gebäu­den auch mög­lichst originalgetreu.

Die Frau­en­kir­che ist dabei ein sehr impo­san­tes Bei­spiel. Sie geriet am 13. Febru­ar 1945 beim Bom­ben­an­griff in Brand und ist am 15. Febru­ar dann ein­ge­stürzt. Die Rui­ne lag 50 Jah­re lang auf dem Platz. Nun ist sie selbst ein Bild­nis der Kon­tras­te. Erbaut aus viel altem und neu­em Mate­ri­al hat sie von außen sowohl alte, dunk­le als auch neue hel­le Stei­ne. Sie ist ori­gi­nal­ge­treu auf­ge­baut und modern ausgestattet.

Mischung aus Alt (dun­kel, der Teil ganz links) und Neu.
Beim Auf­stieg auf die Kup­pel kann man in den Teil in der obe­ren Kup­pel über dem Altar­raum hineinsehen.

Wir sind oben auf die Kup­pel gestie­gen und haben den Blick über Dres­den genos­sen. Hier kann man viel von der Alt­stadt sehen und über viel Neu­es und Altes staunen.

Die mitt­le­re Hälf­te (nach dem ers­ten Vier­tel ab der Ein­rüs­tung und bis zum grü­nen Dach) ist eine(!) Baustelle.
Der Neu­markt vor der Frau­en­kir­che. Ein rie­si­ger Platz, die Sta­tue ist Mar­tin Luther. Er schaut auf den moder­nen Glas-Auf­zug, der zur Tief­ga­ra­ge unter dem Platz führt. Im Hin­ter­grund das schwar­ze Dach der Phil­har­mo­nie im Kul­tur­pa­last — ein sozia­lis­tisch-klas­si­zis­ti­scher Ensem­ble­bau von 1968. Links ein schma­les Glas­ge­bäu­de zwi­schen den alten Fron­ten, das Muse­ums­gas­tro­no­mie beinhaltet.

Kul-Tour

In Dres­den gibt es mas­sen­wei­se Kul­tur zum Stau­nen und (teil­wei­se) Anfas­sen. Was machen wir also, wenn das Wet­ter nicht so will, wie wir wol­len? Rich­tig! Muse­en und Aus­stel­lun­gen besuchen. 

Bereits am Diens­tag sind wir vor dem Regen geflüch­tet und haben uns in die Welt der DDR geret­tet. Es ist vor allem eine Samm­lung von All­tags­ge­gen­stän­den und Fotos des Arbei­ter-und Bau­ern­staats vor der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Man­ches war uns bekannt (DDR-Sand­männ­chen!), ande­res völ­lig fremd und wir haben auf jeden Fall eini­ges gelernt. 

Fahr­zeu­ge, Ost-Edition
Wohn­zim­mer (Möbel­bau­kas­ten­sys­tem)
Auto­dach­zelt für den Trabi
‘Des­sau­er’ Küche

Da heu­te das Wet­ter auch eher beschei­den war, haben wir den Mathe­ma­tisch-Phy­si­ka­li­schen Salon im Zwin­ger auf­ge­sucht. Hier wer­den High-Tech-Objek­te der Ver­gan­gen­heit aus­ge­stellt und erklärt: man fin­det hier alte Uhren in allen Grö­ßen und For­men, diver­se Mess­ge­rä­te, Glo­ben und Pla­ne­ten­mo­del­le, Tele­sko­pe… um nur eini­ges zu nen­nen. Auch in die­ser sehr inter­es­san­ten, schön prä­sen­tier­ten Aus­stel­lung haben wir wie­der eini­ges Neu­es erfah­ren.
Fas­zi­nie­rend fand ich zum Bei­spiel, dass es Rei­se-Son­nen­uh­ren gab, die man ein­fach mit sich füh­ren konn­te, und dass man­che Model­le mit­hil­fe des Mond­lichts auch nachts die Zeit anzei­gen konn­ten. Es gab auch spe­zi­el­le Nachtuh­ren, Noc­turna­le genannt, anhand derer man die Uhr­zeit unter zur Hil­fe­nah­me der Ster­ne bestim­men konn­te. Ich wuss­te außer­dem auch nicht, dass es bestimm­te Win­kel­mes­ser gab, die man auf Kano­nen und ande­re Feu­er­waf­fen set­zen konn­te, um die Flug­bahn der Muni­ti­on zu berech­nen — man woll­te das Ziel schließ­lich auch tref­fen. Wer sich also für die eher tech­ni­sche Sei­te der Geschich­te inter­es­siert, ist hier rich­tig aufgehoben!

Blick in die Tech­nik eines his­to­ri­schen Chronometers
Pla­ne­ten­uhr (Bau­zeit 1563–1568) des Kur­fürs­ten August von Sachsen
Brenn­spie­gel aus Kupfer
Vaku­um-Maschi­ne (vor allem für Expe­ri­men­te interessant)

Weil wir uns auch sehr dafür inter­es­sier­ten, wie der Zwin­ger eigent­lich ent­stand, sind wir im Anschluss noch in die Zwin­ger Xpe­ri­ence gegan­gen, eine Mul­ti­me­dia-Aus­stel­lung (Audio, Pro­jek­tio­nen, VR-Bril­len) über die Geschich­te des Bau­werks. Sehr gut gemacht und abso­lut empfehlenswert!

Schiet­wet­ter — Sym­bol­bild mit Ehegesponst

Drahtesel

Wir sind ohne Auto auf der Insel (Bor­kum lässt grü­ßen). Da man sich ja irgend­wie vor­wärts bewe­gen möch­te und nicht alles fuß­läu­fig erreich­bar ist, bie­ten sich Fahr­rä­der an (in den Bus möch­te man sich auch nicht stän­dig mit Mas­ke auf der Nase quet­schen). Mit dem Rad kann man dann wun­der­bar hier her­um­fah­ren, zum Bei­spiel ans ande­re Ende der Insel nach Witt­dün, oder erst ein­mal nur bis zum nächs­ten Ort, nach Nebel.

In Nebel gibt es einen his­to­ri­schen Orts­kern mit vie­len typisch frie­si­schen Häu­sern, die oft sehr hüb­sche Vor­gär­ten haben. Reed­ge­deck­te Dächer sieht man natür­lich auch sehr viele. 

Wohn­haus in Nebel

Es gibt außer­dem eine alte Müh­le (Dr. Who Fans könn­ten sich an einen Dalek erin­nert füh­len) sowie eine Kir­che mit Fried­hof. Der alte Grab­stein eines ehe­ma­li­gen Mül­lers ist auch dort auch zu sehen, so wie vie­le ande­re spre­chen­de Stei­ne (man­che haben einen QR-Code, der zu einer Web­site mit zusätz­li­chen Infos führt). 

Die St. Cle­mens-Kir­che selbst ist alt, rela­tiv klein aber inter­es­sant. Obwohl — wie in den meis­ten Kir­chen — um Spen­den für die Instand­hal­tung gebe­ten wird, ist St. Cle­mens in gutem Zustand und wirkt freund­lich und sehr gepflegt. Tat­säch­lich fin­den sich in der Kir­che eini­ge sehr alte Schät­ze, wie zum Bei­spiel ein Sakra­men­ten­schrank und geschnitz­te Holz­fi­gu­ren der Apostel. 

St. Cle­mens in Nebel 
St. Cle­mens — Innenansicht
Dalek — äh, Müh­le in Nebel 

Wer bis nach Witt­dün radeln möch­te, kann ein­fach über den Deich fah­ren. Eine sehr schö­ne Stre­cke mit wun­der­ba­rer Aus­sicht! Der Ort selbst bie­tet — neben dem Café Kaf­fee­flut, das wirk­lich zu emp­feh­len ist — eini­ge net­te Läden und eine schö­ne Strand­pro­me­na­de, die man ent­we­der ent­lang­spa­zie­ren oder, auf einer der vie­len Bän­ke sit­zend, ein­fach von der Aus­sicht her genie­ßen kann. 

Witt­dü­ner Hafenanlagen

Bergwanderung

Das Lied “In the Dut­ch Moun­tains” von The Nits kann sich ja — tech­nisch gese­hen — nur auf Dünen bezie­hen. Und Dünen sind für Nie­der­län­der und Inseln wie Amrum über­le­bens­wich­tig. Daher gibt es auf Amrum vie­le Dünen und man kann sie auf Boh­len­we­gen durchwandern.

Boh­len­weg in den Dünen west­lich von Norddorf.
Es gibt ab und an klei­ne Wäld­chen in den Dünen.

Die­ses Natur­wun­der wird bewohnt von vie­len klei­nen und etwas grö­ße­ren Tie­ren. Am auf­fäl­ligs­ten sind dabei die Vögel. Eini­ge sieht man beson­ders häu­fig, wie etwa Sil­ber­mö­ven und Fasane:

Sil­ber­mö­ve in der Düne
Fasa­nen­weib­chen — mit wuse­li­gen Jun­gen, die sich nicht foto­gra­fie­ren las­sen wollten.
Eine gar nicht scheue Rauch­schwal­be auf dem Gelän­der des Bohlenwegs.

Auf Amrum fin­det sich auch viel aus der Ver­gan­gen­heit, wie Hügel­grä­ber und Stein­grä­ber aus der Bron­ze­zeit. Eines davon liegt in den Nord­dor­fer Dünen und stammt von etwa 1.500 vor Christus:

Das Hügel­grab im Düüw­dääl (Tau­ben­tal) in den Dünen, frei­ge­legt im Coro­na-Lock­down.

Am Ende des Weges hat man dann noch eine schö­ne Aus­sicht über den Strand, von der Aus­sichts­platt­form mit dem pas­sen­den Namen “Him­mels­lei­ter”:

Der Weg zur Aus­sichts­platt­form — etwas krumm und schief, aber stabil.
Die Aus­sicht über den Strand und die Aus­läu­fer der Dünen

Die Insel Vilm

Am Frei­tag, unse­rem letz­ten ‘rich­ti­gen’ Urlaubs­tag, ging es per Schiff (“Jul­chen”) rüber zur Insel Vilm. Der Vilm, wie die Ein­hei­mi­schen sagen (vom alt­sla­wi­schen “Der Ulmen­hain”) ist Natur­schutz­ge­biet und für die Öffent­lich­keit gesperrt. Man kann eine Füh­rung buchen, was wir getan haben, und als Grup­pe über die Insel wan­dern.
Das Wet­ter war eher beschei­den und wech­sel­te zwi­schen tro­cken und feucht; letz­te­res bot die bei­den Optio­nen ‘Nie­sel­re­gen’ und ‘patsch­nass’. Gelohnt hat sich der Gang über die Insel auf jeden Fall!

Der Vilm, vom Boot aus gesehen 

Auf der Insel gibt es eine Sied­lung, die heu­te haupt­säch­lich von For­schern — Mee­res­bio­lo­gen und ähn­li­chem — genutzt wird. Sie ist zu Beginn der 1960er Jah­re ent­stan­den, als der Vilm für die Öffent­lich­keit gesperrt und zur Feri­en­oa­se für hohe SED-Par­tei­funk­tio­nä­re wur­de. Vor­her war er für alle Urlau­ber nutz­bar, was der Natur aber sehr gescha­det hat. 

Ein Teil der reno­vier­ten Sied­lung auf der Vilm

Wäh­rend der Wan­de­rung über die Insel erfährt man sehr viel Wis­sens­wer­tes über Flo­ra und Fau­na, aber auch über die Geschich­te der Insel. Bei­spiels­wei­se gibt es allein auf der Insel Vilm 48 bestä­tig­te Schne­cken­ar­ten, aber auch Maul­wür­fe und Füch­se (die im Som­mer, recht wenig Fut­ter fin­den und dank der noch nicht ganz rei­fen Mira­bel­len jetzt Durch­fall haben …). Ein See­ad­ler-Päar­chen brü­tet seit Jah­ren erfolg­reich auf der Vilm. Der Wald wird domi­niert von Laub­bäu­men und die weni­gen Nadel­bäu­me, die es noch gibt, wer­den wahr­schein­lich die nächs­ten 20 Jah­re nicht über­le­ben. Ursprüng­lich gab es in den euro­päi­schen Wäl­dern wohl kei­ne Nadel­bäu­me; sie sie­del­ten sich erst durch die Ein­grif­fe des Men­schen an. 

Im Gän­se­marsch die Anhö­he hinauf 
Beein­dru­cken­de Wuchs­for­men der Bäume 
Vom Blitz getrof­fe­ne Buche
Blick auf den Strand, aber: Schwim­men ver­bo­ten! (Natur­schutz­ge­biet …)
Man wun­dert sich nicht, dass sich die hohen Her­ren der DDR hier wohlfühlten … 

Wir waren begeis­tert von der seit Jah­ren unbe­rühr­ten Natur der Insel und haben die Exkur­si­on sehr genossen. 🙂 

Bäderarchitektur in Binz

Mitt­woch Vor­mit­tag haben wir eine inter­es­san­te Füh­rung zur Bäder­ar­chi­tek­tur in Binz mit­ge­macht. Sie ging etwas mehr als zwei Stun­den und wir haben viel über die alten, wei­ßen Hotels erfah­ren, die den Ort zum typi­schen Ost­see­bad machen. 

Die ers­ten Hotels, die Bade­gäs­te auf­neh­men soll­ten, wur­den schon in den 1880ern gebaut. Muti­ge Inves­to­ren bau­ten an der jet­zi­gen Pro­me­na­de, vor­sich­ti­ge Bau­herrn (“Hil­fe, Was­ser!”) bevor­zug­ten die Put­bu­ser Stra­ße, die sich bis zur Pro­me­na­de hoch­zieht. Hier ste­hen auch die ältes­ten, noch erhal­te­nen Vil­len aus der Grün­der­zeit. Typisch für die­se Gebäu­de sind die wei­ßen, auf­wen­di­gen Vor­bau­ten, die oft mit Schmuck­ele­men­ten aus­ge­stat­tet sind. Nor­ma­ler­wei­se sind sie aus Holz. Es gibt eini­ge weni­ge Gebäu­de, die graue Metall­ge­län­der auf­wei­ßen. Vil­len aus Back­stein, von denen man auch ein paar fin­det, waren usprüng­lich nicht zur Nut­zung als Hotel gedacht gewe­sen und gehö­ren somit nicht zur typi­schen Bäderarchitektur. 

Erker und Holz­vor­bau­ten sind typisch für die Bäderarchitektur. 
Oft sind die Gebäu­de nach medi­ter­ra­nem Vor­bild gestaltet. 
Die­ses Back­stein­ge­bäu­de wur­de als Pri­vat­haus für einen Land­rat gebaut. Es gehört nicht zur typi­schen Bäder­ar­chi­tek­tur, auch wenn es heu­te ein Hotel ist. 
Auch hier kann man gut die Schmuck­ele­men­te über den Fens­tern erkennen. 

Lei­der sind nicht mehr alle Häu­ser aus der Kai­ser­zeit erhal­ten. Viel­fach liegt es dar­an, dass sie in der ehe­ma­li­gen DDR als Miets­häu­ser dien­ten und wenig dafür getan wur­de, die Bau­sub­stanz zu pfle­gen. Man­che Gebäu­de waren nach der Wen­de ein­fach nicht mehr zu ret­ten oder die Reno­vie­rung zu aufwendig. 

Noch mehr Seebäder

Natür­lich ist Binz nicht das ein­zi­ge See­bad auf der Insel Rügen. Wir fah­ren nach Lau­ter­bach — ein unspek­ta­ku­lä­res Dörf­chen, das sich schon vor sehr vie­len Jah­ren See­bad nen­nen durf­te. Hier gibt es einen klei­nen Hafen und man kann am Meer ent­lang lau­fen. Wenn man Glück hat, fin­det man am Weges­rand fri­sche Kir­schen, die man kau­fen und beim Spa­zie­ren­ge­hen essen kann. 

In und um Lauterbach
Lust­wan­deln bei strah­len­dem Sonnenschein 

Außer­dem gibt es in Lau­ter­bach das soge­nann­te “Haus über Kopf” — der Name ist Pro­gramm: hier hän­gen die Möbel an der Decke. Nichts befin­det sich in der Waa­ge, sodass man beim Gehen auf­pas­sen muss. 

Das “Haus über Kopf” — nur echt mit Gesichtsschutz … 
Man kann hier lus­ti­ge Spie­le­rei­en machen … 

Irgend­wie ist alles ver­traut und doch falsch — eine wah­re Freu­de für die Sinne … 

Auf unse­rem Rück­weg Rich­tung Park­platz fiel David ein grü­nes Wan­der­schild auf, das neben der Bahn­stre­cke nach links wies. Wir folg­ten dem Tram­pel­pfad und lan­de­ten bei einem soge­nann­ten Großstein­grab, das wohl aus der Jung­stein­zeit stammt. Ein net­tes, schat­ti­ges Fleck­chen Erde, an dem in regel­mä­ßi­gen Abstän­den der “Rasen­de Roland” vor­bei fährt. 

Der Rasen­de Roland 
Am Großstein­grab

Danach ging es wei­ter nach Sel­lin, einem ande­ren bekann­ten See­bad, deut­lich klei­ner als Binz. Am bekann­tes­ten — und auf vie­len Post­kar­ten zu fin­den — dürf­te wohl der Blick auf die soge­nann­te See­brü­cke sein. 

Sel­li­ner Seebrücke 

Noch zu kai­ser­li­chen Zei­ten erbaut und dann spä­ter umge­stal­tet, wur­de das maro­de Gebäu­de in den 1970er Jah­ren erst für die Öffent­lich­keit gesperrt und spä­ter abge­ris­sen. Erst nach der Wen­de wur­de die See­brü­cke nach his­to­ri­schen Vor­bild wie­der auf­ge­baut und 1998 eröff­net. Heu­te beher­bergt sie ein Restau­rant mit einem gro­ßen Saal, der sich auch wun­der­bar für Fei­er­lich­kei­ten eig­net. Die Räum­lich­kei­ten sind sehr schön und außergewöhnlich. 

Im Kai­ser­pa­vil­li­on auf der Seebrücke 

Es gibt am Ende der See­brü­cke außer­dem noch eine Tauch­glo­cke. Mit ihr kann man 4,5 m tief in die Ost­see abtau­chen. Wir ler­nen, dass die Ost­see ein Brack­was­ser­meer (eine Mischung aus Süß- und Salz­was­ser) und eigent­lich grün ist. Qual­len und Fische schwe­ben vor­bei. Vor allem das Ab- und Auf­tau­chen ist faszinierend. 

Tauch­glo­cke von außen 
Kor­mo­ra­ne
Sel­li­ner See­brü­cke bei Nacht 

Prora

Nach­dem wir des Gat­tens Mas­ke wie­der­ge­fun­den hat­ten, fuh­ren wir nach Pro­ra. Wir hat­ten den unge­heu­ren Gebäu­de­kom­plex schon von der Aus­sichts­plat­form des Baum­wip­fel­pfa­des aus gese­hen. Von den Nazis als Rie­sen-See­bad kon­stru­iert, wur­de der Bau bei Kriegs­aus­bruch ein­ge­stellt. Pro­ra beher­berg­te nie die gedach­ten 20 000 Urlau­ber, son­dern wur­de vor allem mili­tä­risch genutzt. 

Heu­te sind eini­ge der Gebäu­de reno­viert und die­nen als (Ferien)Wohnungen. Auch das Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum befin­det sich hier. Bis vor eini­gen Jah­ren beher­berg­te der Kom­plex zudem eine Dis­ko. Der Park­platz ist neu gemacht und wei­te­re Reno­vie­run­gen sind in Gan­ge. Kei­ner weiß so recht, ob es rich­tig ist, die Fas­sa­den bau­lich zu ver­än­dern und die Gebäu­de anders zu nut­zen, oder ob Pro­ra als Denk­mal wei­ter­hin in sei­nem ursprüng­li­chen Zustand erhal­ten wer­den soll­te. Aller­dings sind die rie­si­gen Nazi-Gebäu­de weder eine Augen­wei­de noch ist die Bau­sub­stanz in beson­ders gutem Zustand. Auch die Stim­mung, die von den leer­ste­hen­den Bau­ten aus­geht, ist selt­sam. Der Blick aufs Meer ist von Pro­ra aus aller­dings wirk­lich schön. 

Der wei­ße Teil ist bereits reno­viert, die grau­en Fas­sa­den zei­gen Pro­ra im Originalzustand. 
Auf dem Weg zur alten Kai-Anlage 
Kai-Mau­er und Strand bei Prora