Hallig Hooge

Ges­tern sind wir mit dem Adler-Express auf die zweit­größ­te deut­sche Hal­lig gefah­ren. Es war eine kur­ze Visi­te, denn man hat nur etwas mehr als 2 Stun­den Auf­ent­halt auf der Mini-Insel, aber zumin­dest reicht das für einen ers­ten Eindruck. 

Bis auf die Warf­ten (die klei­nen Hügel, auf denen die Gebäu­de ste­hen, um sie vor einer Über­flu­tung zu schüt­zen) ist die Hal­lig unglaub­lich flach. Das meis­te Land ist bedeckt mit Wie­sen vol­ler Wild­blu­men respek­ti­ve Wei­de­flä­chen für Vieh. Bäu­me (und somit auch Schat­ten) gibt es nur auf den Warf­ten, falls jemand so bedacht war, sie zu pflanzen. 

Die Wie­sen der Hal­lig Hoo­ge, mit einer Warft im Hintergrund. 

Die ein­zel­nen Warf­ten haben Namen, wie klei­ne Mini-Dör­fer, die jeweils nur aus weni­gen Häu­sern bestehen. Die Kir­che der Hal­lig hat sogar eine gan­ze Warft nur für sich. 

Kirch­warft
Im Innern der Kirche 
Der Boden besteht aus Sand und Muscheln, teil­wei­se bedeckt mit Holzbrettern

Wir haben lei­der in der kur­zen Zeit nur einen klei­nen Teil der Hal­lig gese­hen. Zudem war es ges­tern sehr warm (bis 27 Grad Cel­si­us) und es war doch recht anstren­gend, sich die gan­ze Zeit in der pral­len Son­ne auf­zu­hal­ten. Man hät­te auch Fahr­rä­der mie­ten kön­nen um die Hal­lig-Erkun­dung zu beschleu­ni­gen, aber Stress woll­ten wir uns halt eben auch nicht machen. 

Wer mag, kann auf Hoo­ge übri­gens auch Urlaub machen. Zum Abstand gewin­nen vom All­tags­stress und zum Run­ter­kom­men und Ent­span­nen ist das (für eine kur­ze Zeit zumin­dest) bestimmt eine tol­le Sache. 

Hoo­ge, vom Schiff aus gesehen 

Damals ™ und Heute

Hier auf Amrum gibt es viel Geschicht­li­ches. Ein Teil der Geschich­te ist der Enten­fang. Man hat bis in die 1930er in der soge­nann­ten Vogel­ko­je Wild­enten gefan­gen und zu Pas­te­ten etc. ver­ar­bei­tet. Heu­te ist es Natur­schutz­ge­biet und es gibt einen Lehr­pfad, der durch die schö­ne Natur führt.

Der Boh­len­weg durch die Vogelkoje
Der künst­li­che See der Vogelkoje

Von der Vogel­ko­je aus kann man noch wei­ter in die Ver­gan­gen­heit rei­sen, denn ein Weg führt zum Archäo­lo­gi­schen Are­al. Man begibt sich auf eine Zeitreise…

Die Zeit­rei­se beginnt…

Über die ver­schie­de­nen Jahr­hun­der­te (eini­ge Mei­len­stei­ne sind auf dem Weg ange­ge­ben, wie etwa die 1. und 2. Man­drän­ke) kommt man in die Eisen­zeit. Hier wur­de — mit viel Auf­wand und kom­plett in Hand­ar­beit (Wir befin­den uns mit­ten im Natur­schutz­ge­biet!) ein Eisen­zeit­li­ches Haus nach­ge­baut. Es steht auf einer Flä­che, die zu der Zeit wohl von etwa 5 Häu­sern bebaut war — ein rich­ti­ges klei­nes Dorf. Der Nach­bau ist ein Wohn­stall­haus und kann betre­ten werden:

Das Eisen­zeit­li­che Haus 
Der Ein­gang ins Haus
Die Stall­sei­te. In der Mit­te der gepflas­ter­te Teil der Stall­gas­se zum Ausmisten.
Der Wohn­teil mit Feu­er­stel­le und Schlaf-/Sitz­ge­le­gen­hei­ten

Das Haus ist auch tat­säch­lich bewohnt — aller­dings nicht von Men­schen. Die prak­ti­schen Bal­ken unter dem Dach sind von den Rauch­schwal­ben als Nist­platz aus­er­ko­ren wor­den, und so fin­det man dort Nes­ter mit Jun­gen vor.

Geht man dann wei­ter den Boh­len­weg ent­lang, kommt man bis in die Stein­zeit zurück und kann einen Dünen­hü­gel mit ein paar Find­lin­gen davor begut­ach­ten. Es han­delt sich um ein Stein­zeit­li­ches Hügel­grab, von dem jedoch nicht mehr viel zu sehen ist.

Der schö­ne Boh­len­weg geht wei­ter, jetzt ohne Zeitreise:

Lady in Red auf dem Bohlenweg

Der Weg führt durch die schö­ne Dünen­land­schaft bis zum Leit- und Quer­mar­ken­feu­er Nord­dorf, um das man her­um lau­fen kann. 

Das Leit- und Quer­mar­ken­feu­er wird aktu­ell neu lackiert.

Von dort aus hat man mal wie­der eine wun­der­ba­re Aussicht:

Blick in Rich­tung Sylt (am Hori­zont zu erah­nen dank Weitwinkelobjektiv)
Blick zum Inse­lin­ne­ren mit Boh­len­weg und unbe­kann­ter Mini-Ruine.

Drahtesel

Wir sind ohne Auto auf der Insel (Bor­kum lässt grü­ßen). Da man sich ja irgend­wie vor­wärts bewe­gen möch­te und nicht alles fuß­läu­fig erreich­bar ist, bie­ten sich Fahr­rä­der an (in den Bus möch­te man sich auch nicht stän­dig mit Mas­ke auf der Nase quet­schen). Mit dem Rad kann man dann wun­der­bar hier her­um­fah­ren, zum Bei­spiel ans ande­re Ende der Insel nach Witt­dün, oder erst ein­mal nur bis zum nächs­ten Ort, nach Nebel.

In Nebel gibt es einen his­to­ri­schen Orts­kern mit vie­len typisch frie­si­schen Häu­sern, die oft sehr hüb­sche Vor­gär­ten haben. Reed­ge­deck­te Dächer sieht man natür­lich auch sehr viele. 

Wohn­haus in Nebel

Es gibt außer­dem eine alte Müh­le (Dr. Who Fans könn­ten sich an einen Dalek erin­nert füh­len) sowie eine Kir­che mit Fried­hof. Der alte Grab­stein eines ehe­ma­li­gen Mül­lers ist auch dort auch zu sehen, so wie vie­le ande­re spre­chen­de Stei­ne (man­che haben einen QR-Code, der zu einer Web­site mit zusätz­li­chen Infos führt). 

Die St. Cle­mens-Kir­che selbst ist alt, rela­tiv klein aber inter­es­sant. Obwohl — wie in den meis­ten Kir­chen — um Spen­den für die Instand­hal­tung gebe­ten wird, ist St. Cle­mens in gutem Zustand und wirkt freund­lich und sehr gepflegt. Tat­säch­lich fin­den sich in der Kir­che eini­ge sehr alte Schät­ze, wie zum Bei­spiel ein Sakra­men­ten­schrank und geschnitz­te Holz­fi­gu­ren der Apostel. 

St. Cle­mens in Nebel 
St. Cle­mens — Innenansicht
Dalek — äh, Müh­le in Nebel 

Wer bis nach Witt­dün radeln möch­te, kann ein­fach über den Deich fah­ren. Eine sehr schö­ne Stre­cke mit wun­der­ba­rer Aus­sicht! Der Ort selbst bie­tet — neben dem Café Kaf­fee­flut, das wirk­lich zu emp­feh­len ist — eini­ge net­te Läden und eine schö­ne Strand­pro­me­na­de, die man ent­we­der ent­lang­spa­zie­ren oder, auf einer der vie­len Bän­ke sit­zend, ein­fach von der Aus­sicht her genie­ßen kann. 

Witt­dü­ner Hafenanlagen

Binz zum zweiten

Binz hat den Vor­teil, als See­bad wirk­lich direkt an der Ost­see zu lie­gen. Dem­entspre­chend groß ist der Bade­strand mit Strand­kör­ben und Strand­bars, an dem sich vie­le Bade­gäs­te tum­meln. Macht man sich die Mühe, die Pro­me­na­de bis zum Ende zu lau­fen, gelangt man zum Natur­schutz­ge­biet Gra­nitz. Hier gibt es nicht nur einen wun­der­vol­len alten Buchen­wald, son­dern auch ein ‘wil­des’ Stück Strand, an dem sich weni­ge bis kei­ne Bade­gäs­te auf­hal­ten. Theo­re­tisch kann man über den Kies bis nach Sel­lin lau­fen, aber das war uns dann doch zu anstren­gend. Statt­des­sen haben wir ein paar Feu­er­stei­ne gesam­melt, ein Türm­chen gebaut und den Enten, Schwä­nen und Kor­mo­ra­nen zugesehen. 

Buchen­wald an der Granitz 
Es war son­nig, aber windig … 
Unser Türm­chen
Kor­mo­ran beim Son­nen und Schwan 
Das Kur­haus

PS: Davids Turm (sie­he oben) ist jetzt auch unter Goog­le Maps als Sehens­wür­dig­keit zu finden. 😉 

Noch mehr Seebäder

Natür­lich ist Binz nicht das ein­zi­ge See­bad auf der Insel Rügen. Wir fah­ren nach Lau­ter­bach — ein unspek­ta­ku­lä­res Dörf­chen, das sich schon vor sehr vie­len Jah­ren See­bad nen­nen durf­te. Hier gibt es einen klei­nen Hafen und man kann am Meer ent­lang lau­fen. Wenn man Glück hat, fin­det man am Weges­rand fri­sche Kir­schen, die man kau­fen und beim Spa­zie­ren­ge­hen essen kann. 

In und um Lauterbach
Lust­wan­deln bei strah­len­dem Sonnenschein 

Außer­dem gibt es in Lau­ter­bach das soge­nann­te “Haus über Kopf” — der Name ist Pro­gramm: hier hän­gen die Möbel an der Decke. Nichts befin­det sich in der Waa­ge, sodass man beim Gehen auf­pas­sen muss. 

Das “Haus über Kopf” — nur echt mit Gesichtsschutz … 
Man kann hier lus­ti­ge Spie­le­rei­en machen … 

Irgend­wie ist alles ver­traut und doch falsch — eine wah­re Freu­de für die Sinne … 

Auf unse­rem Rück­weg Rich­tung Park­platz fiel David ein grü­nes Wan­der­schild auf, das neben der Bahn­stre­cke nach links wies. Wir folg­ten dem Tram­pel­pfad und lan­de­ten bei einem soge­nann­ten Großstein­grab, das wohl aus der Jung­stein­zeit stammt. Ein net­tes, schat­ti­ges Fleck­chen Erde, an dem in regel­mä­ßi­gen Abstän­den der “Rasen­de Roland” vor­bei fährt. 

Der Rasen­de Roland 
Am Großstein­grab

Danach ging es wei­ter nach Sel­lin, einem ande­ren bekann­ten See­bad, deut­lich klei­ner als Binz. Am bekann­tes­ten — und auf vie­len Post­kar­ten zu fin­den — dürf­te wohl der Blick auf die soge­nann­te See­brü­cke sein. 

Sel­li­ner Seebrücke 

Noch zu kai­ser­li­chen Zei­ten erbaut und dann spä­ter umge­stal­tet, wur­de das maro­de Gebäu­de in den 1970er Jah­ren erst für die Öffent­lich­keit gesperrt und spä­ter abge­ris­sen. Erst nach der Wen­de wur­de die See­brü­cke nach his­to­ri­schen Vor­bild wie­der auf­ge­baut und 1998 eröff­net. Heu­te beher­bergt sie ein Restau­rant mit einem gro­ßen Saal, der sich auch wun­der­bar für Fei­er­lich­kei­ten eig­net. Die Räum­lich­kei­ten sind sehr schön und außergewöhnlich. 

Im Kai­ser­pa­vil­li­on auf der Seebrücke 

Es gibt am Ende der See­brü­cke außer­dem noch eine Tauch­glo­cke. Mit ihr kann man 4,5 m tief in die Ost­see abtau­chen. Wir ler­nen, dass die Ost­see ein Brack­was­ser­meer (eine Mischung aus Süß- und Salz­was­ser) und eigent­lich grün ist. Qual­len und Fische schwe­ben vor­bei. Vor allem das Ab- und Auf­tau­chen ist faszinierend. 

Tauch­glo­cke von außen 
Kor­mo­ra­ne
Sel­li­ner See­brü­cke bei Nacht 

Insel-Hopping

Heu­te haben wir Rügen vor­über­ge­hend ver­las­sen um auf die benach­bar­te Insel Hid­den­see über­zu­set­zen. Mit dem Was­ser­ta­xi ging es von Scha­pro­de nach Vit­te auf Hid­den­see. Eigent­lich woll­ten wir die Fäh­re neh­men, doch wir hät­ten auf das nächs­te Schiff über ein­ein­halb Stun­den war­ten müs­sen, wes­halb wir uns dann doch in das deut­lich klei­ne­re Was­ser­ta­xi begaben. 

In Scha­pro­de war es kühl und nie­sel­te, wes­halb wir erst zöger­ten, über­haupt nach Hid­den­see rüber­zu­fah­ren. Schluss­end­lich war es ein guter Ent­schluss, denn nach kurz­zei­ti­gem Regen kam auf Hid­den­see die Son­ne durch und es wur­de rich­tig schön. Vom Hafen in Vit­te aus fuh­ren wir mit der Pfer­de­kut­sche (die Insel ist fast auto­frei) wei­ter gen Nor­den nach Klos­ter, von wo aus man zum Leucht­turm Dorn­busch lau­fen kann. Er steht an der Nord­spit­ze der Insel und erstrahlt in weiß und rot. 

Leucht­turm auf Hiddensee
Die Son­ne kommt raus! 
Blick auf die Lam­pe mit Fresnel-Linse 

Vom Nor­den der Insel aus lie­fen wir am Strand ent­lang zurück nach Vit­te. Mitt­ler­wei­le strahl­te die Son­ne vom leuch­tend blau­en Him­mel, was den Rück­weg umso schö­ner machte. 

Im Nor­den der Insel ist alles vol­ler Königskerzen. 
Hach! 🙂

Da die Insel bis auf weni­ge not­wen­di­ge Fahr­zeu­ge auto­frei ist, gibt es hier vie­le Fahr­rä­der und Hand­kar­ren, aber auch zahl­rei­che Pfer­de. Sie wer­den für die Kut­schen benö­tigt, kön­nen aber auch für Aus­rit­te gebucht werden. 

Auch wenn Hid­den­see eine klei­ne, schma­le Insel ist, hät­te man noch viel mehr machen kön­nen als das, was wir in ein paar Stun­den geschafft haben. Wir hat­ten aber kei­ne Lust, uns über die Insel zu stres­sen, wes­halb wir lie­ber weni­ger gese­hen, dafür aber alles umso inten­si­ver genos­sen haben. 😉 

Ein Segeltörn auf der Ostsee

Wenn man in Binz am Was­ser ist, wird oft der Blick wie auto­ma­tisch von einem gro­ßen Segel­schiff ange­zo­gen. Majes­tä­tisch liegt es an der See­brü­cke und zieht Besu­cher an.

Es han­delt sich um eine Bar­ken­ti­ne, in die­sem Fall ein drei­mas­ti­ger Groß­seg­ler, mit dem Namen Loth Loriën. Sie gehört der Ree­de­rei “Van der Rest Sail Char­ter” und hat als Hei­mat­ha­fen Amsterdam.

Die Loth Loriën an der See­brü­cke in Binz

Man kann an Bord über­nach­ten oder gleich den gan­zen Seg­ler für Aus­flü­ge buchen. Oder man macht es wie wir und dreht mit ande­ren Gäs­ten zusam­men einen zwei­stün­di­gen Törn an Bord über die Ostsee.

An Bord gibt es eine Bar, die auch Cock­tails hat und eine wun­der­ba­re Aus­sicht auf die Küs­te. Wie weit man fährt, hängt natür­lich vom Wind ab. Es ist eine ent­span­nen­de und trotz­dem auf­re­gen­de Fahrt. Die Crew lässt einen auch durch­aus mal mitsegeln…

“Hier­dran zie­hen bis es nicht mehr geht” ist durch­aus eine Anwei­sung, die ich als Land­rat­te noch befol­gen kann.

Das Schiff ist von 1907 und in den über 100 Jah­ren gut gepflegt und immer wie­der umge­baut wor­den. Beim Segel­set­zen zuzu­schau­en ist schon imposant.

Blick den vor­de­ren Mast hinauf

Weil man ja an Bord sowie­so Zeit hat, und Aus­sicht genies­sen möch­te, kann man genau die­sen Mast auch hoch­klet­tern. Mit einem Klet­ter­gurt von Petzl und dem Matro­sen Jan am ande­ren Ende, der einen an der Ver­täu­ung sichert, geht es dann in die Takelage:

Es kann nur Auf­wärts gehen!

Auf der zwei­ten Platt­form hat man dann einen wun­der­ba­ren Aus­blick auf Schiff und Küste:

Der Blick über Achtern
Der Bug des Schif­fes und die Segel von oben.

Für Leu­te mit dem Wunsch nach mehr Ner­ven­kit­zel kann man mit dem Speed­boot Run­den ums Schiff dre­hen, was viel und ger­ne genutzt wurde:

Spaß für die gan­ze Familie!

Das Schiff segelt unter Nie­der­län­di­scher Flag­ge und hat natür­lich auch die Flag­ge des Hei­mat­ha­fens gehisst. Fra­ge eines unbe­darf­ten Tou­ris­ten: “War­um haben Sie die Flag­ge vom Cof­fee­shop in Amsterdam?”

So segelt die Loth Loriën gemüt­lich unter dem Schutz Ihres Dra­chen über die Ostsee.

Der Gol­de­ne Dra­che in der Takelage…
…und über dem Namsns­schild an Bord.

Kap Arkona

Das berühm­te Kap — ein soge­nann­tes Flä­chen­denk­mal — haben wir schon vor drei Tagen besucht. Wir waren oben auf dem neu­en Leucht­turm, um die Aus­sicht zu genie­ßen. In den alten Leucht­turm, der unter ande­rem ein Stan­des­amt beher­bergt, kann man momen­tan nicht rein — wir ver­mu­ten den Grund in der Coro­na-Pan­de­mie. Ich moch­te vor allem das schö­ne alte, rote Gelän­der, das sich um die Aus­sichts­plat­form des neu­en Leucht­turms zieht. 

Kap Arko­na — alter (links) und neu­er (rechts) Leuchtturm 
Immer­hin passt die Mas­ke zum Geländer … 
Aus­sicht auf den Peilturm 

Es gibt am Kap Arko­na noch unter­ir­di­sche Bun­ker­sys­te­me, die man besich­ti­gen kann, aber das haben wir uns dies­mal gespart. Direkt ran an die Klip­pen kommt man lei­der auch kaum, ein­fach weil die Krei­de­fel­sen porös sind und Lebens­ge­fahr besteht. Den ehe­ma­li­gen Peil­turm, der mitt­ler­wei­le eine Mischung aus Laden und Kaf­fee­bar ist, haben wir aber erklom­men. Von oben hat man eine net­te Aus­sicht auf eine früh­mit­tel­al­ter­li­che Tem­pel­burg, von der nur noch Fun­da­men­te übrig sind. Momen­tan fin­den hier archäo­lo­gi­sche Aus­gra­bun­gen statt. 

Archäo­lo­gen bei der Arbeit 

Es lohnt sich außer­dem ein Abste­cher ins frü­he­re Fischer­dorf Vitt, des­sen alter­tüm­li­cher Charme sich bis heu­te erhal­ten hat. Befes­tig­te Stra­ßen gibt es bei­spiels­wei­se nicht. Die Aus­sicht aufs Meer ist dafür wunderbar. 

Am Hafen von Vitt
Join the Möwment! 

Mit dem Auto kann man das Flä­chen­denk­mal Kap Arko­na nicht anfah­ren, aber es gibt Kut­schen oder eine Bim­mel­bahn, die zwi­schen dem Sam­mel­park­platz und dem Kap ver­keh­ren. Wer gut zu Fuß ist, kann auch ein­fach laufen. 

Wenn man schon am Meer ist…

…dann geht man an den Strand und baut eine Sandburg!

Aber weil das ja alle machen und weil das, was alle machen lang­wei­lig ist, gibt es in Binz aktu­ell die höchs­te Sand­burg der Welt zu sehen. Sie wur­de am 5. Juni 2019 vom Juror der “Guin­ness World Records” bestä­tigt: 17,66m ist Weltrekord!

Und weil ein­fach nur Sand auf­schüt­ten ja auch lang­wei­lig ist, gibt es an der Burg viel zu sehen:

Front­an­sicht
Man hat­te sehr viel Lie­be zum Detail.
In den 11.000 Ton­nen Sand gibt es viel zu entdecken.
Wer genau hin­sieht, kann einen Dra­chen auf dem Schild des Rit­ters entdecken.
Auch einen Hen­ker gibt es!

Die­se Burg wur­de letz­tes Jahr zum 10-Jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Bin­zer Sand­skulp­tu­ren-Fes­ti­vals gebaut. Das fin­det jedes Jahr statt, und die­ses Jahr ist das The­ma “Die Bibel”. Hier wur­den sehr detail­lier­te und fan­tas­ti­sche Ansich­ten in den Sand gezaubert:

Die Schöp­fungs­ge­schich­te
Turm­bau zu Babel
Das Opfer Abrahams
Die Arche Noah
Der Pha­rao, des­sen Träu­me von Josef gedeu­tet werden.
Der gestoh­le­ne Becher
Die Damen, die Moses in sei­nem Wei­den­korb fanden.
Die neun Pla­gen im Reich des Pharao
Moses teilt das Rote Meer
Das Gol­de­ne Kalb
Der gefal­le­ne Engel. Hier beson­des schön dar­ge­stellt mit dem Engels­flü­gel oben und dem Teu­fels­flü­gel unten.
Die schö­ne Deli­lah schnei­det Sam­sons Haar
Das Jesus­kind ist im Stall geboren
Die hei­li­gen drei Könige
Das letz­te Abendmahl

Die­se Bil­der sind natür­lich nur eine Aus­wahl — es gab ins­ge­samt 39 Sta­tio­nen bzw. Skulp­tu­ren in beein­dru­cken­der Detail­treue zu sehen. Tan­ja muss­te mir öfters Fra­gen wie “Was macht denn der Typ da?” beant­wor­ten, da ich mal wie­der kei­nen Plan von der Bibel hatte…

Allein aus künst­le­ri­scher Sicht sind die Skulp­tu­ren beein­dru­ckend und selbst ich konn­te sehen, dass die Vor­la­ge für das Abend­mahl das berühm­te gleich­na­mi­ge Bild war, das sehr gut umge­setzt wurde.

Sassnitzer Architektur

Der schon erwähn­te Stadt­ha­fen von Sass­nitz liegt 22m tie­fer als die soge­nann­te Ober­stadt. Um die bei­den bar­rie­re­frei mit­ein­an­der zu ver­bin­den wäre natür­lich ein Fahr­stuhl wie auf Hel­go­land mög­lich gewe­sen. Man hat sich jedoch für eine archi­tek­to­nisch sehr viel schö­ne­re Vari­an­te ent­schie­den: eine geschwun­ge­ne Fußgängerbrücke.

Die­se wird hier “Stadt­bal­kon mit Meer­blick” genannt und wur­de 2007 fer­tig­ge­stellt. Im Jah­re 2010 hat sie den Deut­schen Brü­cken­bau­preis in der Kate­go­rie “Fuß­gän­ger- und Rad­fah­rer­brü­cken” gewon­nen. Die Anfor­de­run­gen waren eine Her­aus­for­de­rung für das Inge­neurbü­ro: Es soll­te ein Wahr­zei­chen ent­ste­hen, die Krei­de­fel­sen durf­ten mög­lichst wenig belas­tet wer­den, es soll­te Bar­rie­re­frei sein und das an der Stel­le im Stadt­ha­fen ste­hen­de his­to­ri­sche Gebäu­de durf­te nicht beein­träch­tigt wer­den. Außer­dem soll­te ein schö­ner Blick auf Hafen und Meer mög­lich sein.

Die Fir­ma “Schlaich, Berg­mann & Part­ner” hat das sehr ele­gant und mit einer fan­tas­tisch anmu­ten­den Anmut umge­setzt: ein Teil als Stän­der­brü­cke, aber über dem his­to­ri­schen Hafen­bahn­hof mit einer ein­sei­tig auf­ge­häng­ten Hän­ge­brü­cke mit Ring­kreis­trä­ger. Klingt toll, sieht noch bes­ser aus:

Rechts der ein­zel­ne, tra­gen­de Stahl­mast, links die Brü­cke. Sie schwingt sich über den alten Hafen­bahn­hof und ist nur auf ihrer rech­ten Sei­te auf­ge­hängt. Im Hin­ter­grund der zwei­te Teil, als Stän­der­brü­cke ausgeführt.
Als Ergeb­nis gibt es einen völ­lig unge­hin­der­ten Blick auf das Meer.
Die Brü­cke wirkt fili­gran, fast trans­pa­rent. Das ist auch dem Stahl­seil-Netz geschul­det, das unter dem Gelän­der gespannt ist. Steht man auf ihr merkt man die leich­ten dyna­mi­schen Bewe­gun­gen, die jedem frei­ste­hen­den Bau­werk innewohnen.