Architek-Tour

Ges­tern sind wir nach Pill­nitz raus­ge­fah­ren, einem mitt­ler­wei­le ein­ge­mein­de­ten Ort am Ran­de von Dres­den. Mit der Fäh­re ging es über die Elbe zum gleich­na­mi­gen Schloss mit Park und ich muss sagen: die­ser Aus­flug hat sich rich­tig gelohnt! Über eine Kas­ta­ni­en­al­lee (die August der Star­ke eigent­lich als Ver­bin­dungs­stück zwi­schen sei­nem Som­mer­schloss in Pill­nitz und Dres­den geplant hat­te, bevor ihm das Geld aus­ging) erreicht man von einem male­ri­schen Park­platz aus das sehens­wer­te Schlossgelände. 

Schloss­gar­ten in Pill­nitz, mit Blick auf die Kastanienalle

Wäh­rend einer unge­fähr ein­stün­di­gen Füh­rung haben wir viel Wis­sens­wer­tes über den Gar­ten und die Gebäu­de erfah­ren. Anschlie­ßend haben wir uns im Schlos­s­ca­fé erst ein­mal diver­se Heiß­ge­trän­ke gegönnt, bevor wir das Gelän­de noch wei­ter erkun­det haben. 

Was­ser­pa­lais an der Elbseite
Haupt­haus

Beson­ders gut hat uns die Viel­sei­tig­keit des Parks gefal­len. Wir haben eini­ge abge­le­ge­ne, lau­schi­ge Ecken ent­deckt. Pal­men­haus und Oran­ge­rie sind momen­tan wegen der Coro­na-Pan­de­mie lei­der nicht zu besich­ti­gen, aber wir konn­ten es nicht las­sen, die präch­ti­gen Pflan­zen durch die zahl­rei­chen Fens­ter zu bewun­dern. Die Oran­ge­rie beher­bergt sogar noch 6 Oran­gen­bäu­me, die August der Star­ke vor ca. 300 Jah­ren selbst erwor­ben hat! Da die Schloss­gärt­ner Mit­te Okto­ber schon eif­rig damit beschäf­tigt sind, den Gar­ten win­ter­fest zu machen, waren vie­le Kübel­pflan­zen lei­der schon von den Wegen verschwunden. 

Blick auf den herbst­lich ver­färb­ten kana­di­schen Ahorn
Eng­li­scher Pavillon 
Im Innern des Pavillons

Am Spät­nach­mit­tag wur­de lei­der das Wet­ter schlech­ter, wes­halb wir uns aus dem Park in das Berg­pa­lais flüch­te­ten. Hier waren wir vor allem von den Gestal­tung der Wän­de und Decken beein­druckt. Auch wenn die asia­tisch inspi­rier­ten Male­rei­en viel­leicht etwas kit­schig wir­ken mögen, sind sie doch beeindruckend. 

Im Innern des Bergpalais

Was­ser­pa­lais und Berg­pa­lais lie­gen sich im Übri­gen gegen­über, getrennt durch ein Ron­dell mit Fon­tä­ne. Das Was­ser­pa­lais schul­det sei­nen Namen der Elbe, die hin­ter dem Gebäu­de fließt, und das Berg­pa­lais den Aus­läu­fern des Lau­sitz, die das Bau­werk flankieren. 

Wer sich für Schlös­ser und Schloss­parks begeis­tern kann, dem sei Pill­nitz wärms­tens emp­foh­len! Wir haben hier eini­ge ver­gnüg­li­che Stun­den ver­bracht — wie ehe­dem der zum Lust­wan­deln aus Dres­den ange­reis­te Adel. 

Kontraste

Dres­den ist eine Stadt der Kon­tras­te. Hier fin­det man viel Gegen­sätz­li­ches. Sym­bo­lisch zum Beispiel:

Im Vor­der­grund der Gol­de­ne Rei­ter, eine beein­dru­cken­de Prunk-Sta­tue August des Star­ken. Im Hin­ter­grund Plattenbau.

Ange­baut an die alt-ehr­wür­di­ge Sem­per­oper fin­det sich ein Bau im Stil der 70er mit pas­sen­den Design-Ele­men­ten. Dres­den ist gleich­zei­tig Groß­stadt und ruhi­ger Ort. Die alte Innen­stadt hat gro­ße Plät­ze, wenig Ver­kehr und Platz für Menschen.

Dort fin­den sich Glas­ge­bäu­de neben alten Rei­hen­häu­sern, direkt gegen­über der Frau­en­kir­che. Hier tref­fen sich Moder­ne und Altertum.

Vie­le der alten impo­san­ten Pracht­bau­ten sind im Krieg zer­stört wor­den, wenn nicht durch Bom­ben, dann durch Feu­er (wie die Frau­en­kir­che). Das Alles wird wie­der auf­ge­baut und Dres­den ist eine Samm­lung von (Groß-)Baustellen. Den Charme des Alten ver­sucht man dabei zu erhal­ten, bei his­to­ri­schen Gebäu­den auch mög­lichst originalgetreu.

Die Frau­en­kir­che ist dabei ein sehr impo­san­tes Bei­spiel. Sie geriet am 13. Febru­ar 1945 beim Bom­ben­an­griff in Brand und ist am 15. Febru­ar dann ein­ge­stürzt. Die Rui­ne lag 50 Jah­re lang auf dem Platz. Nun ist sie selbst ein Bild­nis der Kon­tras­te. Erbaut aus viel altem und neu­em Mate­ri­al hat sie von außen sowohl alte, dunk­le als auch neue hel­le Stei­ne. Sie ist ori­gi­nal­ge­treu auf­ge­baut und modern ausgestattet.

Mischung aus Alt (dun­kel, der Teil ganz links) und Neu.
Beim Auf­stieg auf die Kup­pel kann man in den Teil in der obe­ren Kup­pel über dem Altar­raum hineinsehen.

Wir sind oben auf die Kup­pel gestie­gen und haben den Blick über Dres­den genos­sen. Hier kann man viel von der Alt­stadt sehen und über viel Neu­es und Altes staunen.

Die mitt­le­re Hälf­te (nach dem ers­ten Vier­tel ab der Ein­rüs­tung und bis zum grü­nen Dach) ist eine(!) Baustelle.
Der Neu­markt vor der Frau­en­kir­che. Ein rie­si­ger Platz, die Sta­tue ist Mar­tin Luther. Er schaut auf den moder­nen Glas-Auf­zug, der zur Tief­ga­ra­ge unter dem Platz führt. Im Hin­ter­grund das schwar­ze Dach der Phil­har­mo­nie im Kul­tur­pa­last — ein sozia­lis­tisch-klas­si­zis­ti­scher Ensem­ble­bau von 1968. Links ein schma­les Glas­ge­bäu­de zwi­schen den alten Fron­ten, das Muse­ums­gas­tro­no­mie beinhaltet.

Kul-Tour

In Dres­den gibt es mas­sen­wei­se Kul­tur zum Stau­nen und (teil­wei­se) Anfas­sen. Was machen wir also, wenn das Wet­ter nicht so will, wie wir wol­len? Rich­tig! Muse­en und Aus­stel­lun­gen besuchen. 

Bereits am Diens­tag sind wir vor dem Regen geflüch­tet und haben uns in die Welt der DDR geret­tet. Es ist vor allem eine Samm­lung von All­tags­ge­gen­stän­den und Fotos des Arbei­ter-und Bau­ern­staats vor der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Man­ches war uns bekannt (DDR-Sand­männ­chen!), ande­res völ­lig fremd und wir haben auf jeden Fall eini­ges gelernt. 

Fahr­zeu­ge, Ost-Edition
Wohn­zim­mer (Möbel­bau­kas­ten­sys­tem)
Auto­dach­zelt für den Trabi
‘Des­sau­er’ Küche

Da heu­te das Wet­ter auch eher beschei­den war, haben wir den Mathe­ma­tisch-Phy­si­ka­li­schen Salon im Zwin­ger auf­ge­sucht. Hier wer­den High-Tech-Objek­te der Ver­gan­gen­heit aus­ge­stellt und erklärt: man fin­det hier alte Uhren in allen Grö­ßen und For­men, diver­se Mess­ge­rä­te, Glo­ben und Pla­ne­ten­mo­del­le, Tele­sko­pe… um nur eini­ges zu nen­nen. Auch in die­ser sehr inter­es­san­ten, schön prä­sen­tier­ten Aus­stel­lung haben wir wie­der eini­ges Neu­es erfah­ren.
Fas­zi­nie­rend fand ich zum Bei­spiel, dass es Rei­se-Son­nen­uh­ren gab, die man ein­fach mit sich füh­ren konn­te, und dass man­che Model­le mit­hil­fe des Mond­lichts auch nachts die Zeit anzei­gen konn­ten. Es gab auch spe­zi­el­le Nachtuh­ren, Noc­turna­le genannt, anhand derer man die Uhr­zeit unter zur Hil­fe­nah­me der Ster­ne bestim­men konn­te. Ich wuss­te außer­dem auch nicht, dass es bestimm­te Win­kel­mes­ser gab, die man auf Kano­nen und ande­re Feu­er­waf­fen set­zen konn­te, um die Flug­bahn der Muni­ti­on zu berech­nen — man woll­te das Ziel schließ­lich auch tref­fen. Wer sich also für die eher tech­ni­sche Sei­te der Geschich­te inter­es­siert, ist hier rich­tig aufgehoben!

Blick in die Tech­nik eines his­to­ri­schen Chronometers
Pla­ne­ten­uhr (Bau­zeit 1563–1568) des Kur­fürs­ten August von Sachsen
Brenn­spie­gel aus Kupfer
Vaku­um-Maschi­ne (vor allem für Expe­ri­men­te interessant)

Weil wir uns auch sehr dafür inter­es­sier­ten, wie der Zwin­ger eigent­lich ent­stand, sind wir im Anschluss noch in die Zwin­ger Xpe­ri­ence gegan­gen, eine Mul­ti­me­dia-Aus­stel­lung (Audio, Pro­jek­tio­nen, VR-Bril­len) über die Geschich­te des Bau­werks. Sehr gut gemacht und abso­lut empfehlenswert!

Schiet­wet­ter — Sym­bol­bild mit Ehegesponst

Bauliche Aktivitäten

Halb Dres­den ist gefühlt eine Groß­bau­stel­le. Sowohl an der Infra­struk­tur als auch an vie­len (his­to­ri­schen) Gebäu­den wird gear­bei­tet. Vor­teil: Bau­sub­stanz wird erhal­ten. Nach­teil: Es sieht auf den Fotos doof aus. 😉

Da heu­te — im Gegen­satz zu ges­tern — die Son­ne schien und es nicht stän­dig reg­ne­te, haben wir die Gele­gen­heit ergrif­fen und Dres­den zu Fuß erkun­det. Beein­dru­ckend: die Hof­kir­che, direkt neben dem Resi­denz­schloss (an dem gebaut wird). Sowohl von außen als auch von innen ist die Kir­che ein sehens­wer­ter, ja, schö­ner Bau. Lei­der ist der Platz vor der Kir­che nur teil­wei­se begeh­bar wegen einer rie­si­gen Bau­stel­le, die sich über die Brü­cke und aufs ande­re Elb­ufer zieht. 

Hof­kir­che (Mit­te), Resi­denz­schloss (links), Bau­stel­le (rechts)
Blick auf den Altar

Das Inne­re der Kir­che schwankt zwi­schen ver­schnör­kelt und schlicht. Uns gefiel die Tat­sa­che, dass gro­ße Tei­le der Hof­kir­che in weiß, creme und hell­grau gehal­ten sind. Es wirkt dadurch alles sehr hell und luftig. 

Blick auf die Orgel

In unmit­tel­ba­rer Nähe der Kir­che fin­det man den Fürs­ten­zug, das längs­te Por­zel­lan­bild der Welt. Es ist beein­dru­ckend anzu­se­hen, aber auch ziem­lich lus­tig, wenn man sich die Mühe macht und sich alle Namen der säch­si­schen Kur­fürs­ten durchliest … 

Fürs­ten­zug am Residenzschloss

Unweit von Schloss und Hof­kir­che gelangt man zu Zwin­ger und Sem­per­oper. Der groß­zü­gi­ge Thea­ter­platz bie­tet einen wun­der­ba­ren Aus­blick auf bei­de Gebäude. 

Zwin­ger (links) und Sem­per­oper (rechts). Die Bau­stel­le ganz rechts ist nicht im Bild … 

Trotz eis­kal­ten Winds woll­ten wir unbe­dingt einen ers­ten Ein­druck vom welt­be­rühm­ten Zwin­ger bekom­men und fan­den auch hier — wen wundert’s — bau­li­che Akti­vi­tä­ten. Der gan­ze Kom­plex wird näm­lich auf­wen­dig saniert. Auch wenn Absper­run­gen, Bau­zäu­ne und schwe­res Gerät den archi­tek­to­ni­schen Genuss etwas schmä­lern, ist der Zwin­ger natür­lich trotz­dem ein bau­li­ches Juwel, das man sich unbe­dingt anse­hen soll­te. Span­nend ist auch, dass eine Sei­te des Gelän­des sich im Nor­mal­zu­stand befin­det, wäh­rend die ande­re die Bau­maß­nah­men ‘erdul­den’ muss. 

Der wun­der­schö­ne Wall­pa­vil­lon mit Absperrungen
Links: Bau­maß­nah­men, rechts: schön gestal­te­tes Zwingergelände
Die Figu­ren auf der Ter­ras­se sind neu, wie man an der hel­len Far­be erken­nen kann. 

Bereits ges­tern muss­ten wir uns mit der ers­ten Bau­stel­le aus­ein­an­der­set­zen, denn auch in der Neu­stadt auf der ande­ren Sei­te der Elbe wird saniert: Wer genau hin­schaut, erkennt hin­ter dem Gol­de­nen Rei­ter (eines der Wahr­zei­chen der Stadt) einen Bau­kran und wei­te­re Bauzäune … 

Dres­dens Gol­de­ner Rei­ter im Regen

Hallig Hooge

Ges­tern sind wir mit dem Adler-Express auf die zweit­größ­te deut­sche Hal­lig gefah­ren. Es war eine kur­ze Visi­te, denn man hat nur etwas mehr als 2 Stun­den Auf­ent­halt auf der Mini-Insel, aber zumin­dest reicht das für einen ers­ten Eindruck. 

Bis auf die Warf­ten (die klei­nen Hügel, auf denen die Gebäu­de ste­hen, um sie vor einer Über­flu­tung zu schüt­zen) ist die Hal­lig unglaub­lich flach. Das meis­te Land ist bedeckt mit Wie­sen vol­ler Wild­blu­men respek­ti­ve Wei­de­flä­chen für Vieh. Bäu­me (und somit auch Schat­ten) gibt es nur auf den Warf­ten, falls jemand so bedacht war, sie zu pflanzen. 

Die Wie­sen der Hal­lig Hoo­ge, mit einer Warft im Hintergrund. 

Die ein­zel­nen Warf­ten haben Namen, wie klei­ne Mini-Dör­fer, die jeweils nur aus weni­gen Häu­sern bestehen. Die Kir­che der Hal­lig hat sogar eine gan­ze Warft nur für sich. 

Kirch­warft
Im Innern der Kirche 
Der Boden besteht aus Sand und Muscheln, teil­wei­se bedeckt mit Holzbrettern

Wir haben lei­der in der kur­zen Zeit nur einen klei­nen Teil der Hal­lig gese­hen. Zudem war es ges­tern sehr warm (bis 27 Grad Cel­si­us) und es war doch recht anstren­gend, sich die gan­ze Zeit in der pral­len Son­ne auf­zu­hal­ten. Man hät­te auch Fahr­rä­der mie­ten kön­nen um die Hal­lig-Erkun­dung zu beschleu­ni­gen, aber Stress woll­ten wir uns halt eben auch nicht machen. 

Wer mag, kann auf Hoo­ge übri­gens auch Urlaub machen. Zum Abstand gewin­nen vom All­tags­stress und zum Run­ter­kom­men und Ent­span­nen ist das (für eine kur­ze Zeit zumin­dest) bestimmt eine tol­le Sache. 

Hoo­ge, vom Schiff aus gesehen 

Damals ™ und Heute

Hier auf Amrum gibt es viel Geschicht­li­ches. Ein Teil der Geschich­te ist der Enten­fang. Man hat bis in die 1930er in der soge­nann­ten Vogel­ko­je Wild­enten gefan­gen und zu Pas­te­ten etc. ver­ar­bei­tet. Heu­te ist es Natur­schutz­ge­biet und es gibt einen Lehr­pfad, der durch die schö­ne Natur führt.

Der Boh­len­weg durch die Vogelkoje
Der künst­li­che See der Vogelkoje

Von der Vogel­ko­je aus kann man noch wei­ter in die Ver­gan­gen­heit rei­sen, denn ein Weg führt zum Archäo­lo­gi­schen Are­al. Man begibt sich auf eine Zeitreise…

Die Zeit­rei­se beginnt…

Über die ver­schie­de­nen Jahr­hun­der­te (eini­ge Mei­len­stei­ne sind auf dem Weg ange­ge­ben, wie etwa die 1. und 2. Man­drän­ke) kommt man in die Eisen­zeit. Hier wur­de — mit viel Auf­wand und kom­plett in Hand­ar­beit (Wir befin­den uns mit­ten im Natur­schutz­ge­biet!) ein Eisen­zeit­li­ches Haus nach­ge­baut. Es steht auf einer Flä­che, die zu der Zeit wohl von etwa 5 Häu­sern bebaut war — ein rich­ti­ges klei­nes Dorf. Der Nach­bau ist ein Wohn­stall­haus und kann betre­ten werden:

Das Eisen­zeit­li­che Haus 
Der Ein­gang ins Haus
Die Stall­sei­te. In der Mit­te der gepflas­ter­te Teil der Stall­gas­se zum Ausmisten.
Der Wohn­teil mit Feu­er­stel­le und Schlaf-/Sitz­ge­le­gen­hei­ten

Das Haus ist auch tat­säch­lich bewohnt — aller­dings nicht von Men­schen. Die prak­ti­schen Bal­ken unter dem Dach sind von den Rauch­schwal­ben als Nist­platz aus­er­ko­ren wor­den, und so fin­det man dort Nes­ter mit Jun­gen vor.

Geht man dann wei­ter den Boh­len­weg ent­lang, kommt man bis in die Stein­zeit zurück und kann einen Dünen­hü­gel mit ein paar Find­lin­gen davor begut­ach­ten. Es han­delt sich um ein Stein­zeit­li­ches Hügel­grab, von dem jedoch nicht mehr viel zu sehen ist.

Der schö­ne Boh­len­weg geht wei­ter, jetzt ohne Zeitreise:

Lady in Red auf dem Bohlenweg

Der Weg führt durch die schö­ne Dünen­land­schaft bis zum Leit- und Quer­mar­ken­feu­er Nord­dorf, um das man her­um lau­fen kann. 

Das Leit- und Quer­mar­ken­feu­er wird aktu­ell neu lackiert.

Von dort aus hat man mal wie­der eine wun­der­ba­re Aussicht:

Blick in Rich­tung Sylt (am Hori­zont zu erah­nen dank Weitwinkelobjektiv)
Blick zum Inse­lin­ne­ren mit Boh­len­weg und unbe­kann­ter Mini-Ruine.

Drahtesel

Wir sind ohne Auto auf der Insel (Bor­kum lässt grü­ßen). Da man sich ja irgend­wie vor­wärts bewe­gen möch­te und nicht alles fuß­läu­fig erreich­bar ist, bie­ten sich Fahr­rä­der an (in den Bus möch­te man sich auch nicht stän­dig mit Mas­ke auf der Nase quet­schen). Mit dem Rad kann man dann wun­der­bar hier her­um­fah­ren, zum Bei­spiel ans ande­re Ende der Insel nach Witt­dün, oder erst ein­mal nur bis zum nächs­ten Ort, nach Nebel.

In Nebel gibt es einen his­to­ri­schen Orts­kern mit vie­len typisch frie­si­schen Häu­sern, die oft sehr hüb­sche Vor­gär­ten haben. Reed­ge­deck­te Dächer sieht man natür­lich auch sehr viele. 

Wohn­haus in Nebel

Es gibt außer­dem eine alte Müh­le (Dr. Who Fans könn­ten sich an einen Dalek erin­nert füh­len) sowie eine Kir­che mit Fried­hof. Der alte Grab­stein eines ehe­ma­li­gen Mül­lers ist auch dort auch zu sehen, so wie vie­le ande­re spre­chen­de Stei­ne (man­che haben einen QR-Code, der zu einer Web­site mit zusätz­li­chen Infos führt). 

Die St. Cle­mens-Kir­che selbst ist alt, rela­tiv klein aber inter­es­sant. Obwohl — wie in den meis­ten Kir­chen — um Spen­den für die Instand­hal­tung gebe­ten wird, ist St. Cle­mens in gutem Zustand und wirkt freund­lich und sehr gepflegt. Tat­säch­lich fin­den sich in der Kir­che eini­ge sehr alte Schät­ze, wie zum Bei­spiel ein Sakra­men­ten­schrank und geschnitz­te Holz­fi­gu­ren der Apostel. 

St. Cle­mens in Nebel 
St. Cle­mens — Innenansicht
Dalek — äh, Müh­le in Nebel 

Wer bis nach Witt­dün radeln möch­te, kann ein­fach über den Deich fah­ren. Eine sehr schö­ne Stre­cke mit wun­der­ba­rer Aus­sicht! Der Ort selbst bie­tet — neben dem Café Kaf­fee­flut, das wirk­lich zu emp­feh­len ist — eini­ge net­te Läden und eine schö­ne Strand­pro­me­na­de, die man ent­we­der ent­lang­spa­zie­ren oder, auf einer der vie­len Bän­ke sit­zend, ein­fach von der Aus­sicht her genie­ßen kann. 

Witt­dü­ner Hafenanlagen

Binz zum zweiten

Binz hat den Vor­teil, als See­bad wirk­lich direkt an der Ost­see zu lie­gen. Dem­entspre­chend groß ist der Bade­strand mit Strand­kör­ben und Strand­bars, an dem sich vie­le Bade­gäs­te tum­meln. Macht man sich die Mühe, die Pro­me­na­de bis zum Ende zu lau­fen, gelangt man zum Natur­schutz­ge­biet Gra­nitz. Hier gibt es nicht nur einen wun­der­vol­len alten Buchen­wald, son­dern auch ein ‘wil­des’ Stück Strand, an dem sich weni­ge bis kei­ne Bade­gäs­te auf­hal­ten. Theo­re­tisch kann man über den Kies bis nach Sel­lin lau­fen, aber das war uns dann doch zu anstren­gend. Statt­des­sen haben wir ein paar Feu­er­stei­ne gesam­melt, ein Türm­chen gebaut und den Enten, Schwä­nen und Kor­mo­ra­nen zugesehen. 

Buchen­wald an der Granitz 
Es war son­nig, aber windig … 
Unser Türm­chen
Kor­mo­ran beim Son­nen und Schwan 
Das Kur­haus

PS: Davids Turm (sie­he oben) ist jetzt auch unter Goog­le Maps als Sehens­wür­dig­keit zu finden. 😉 

Noch mehr Seebäder

Natür­lich ist Binz nicht das ein­zi­ge See­bad auf der Insel Rügen. Wir fah­ren nach Lau­ter­bach — ein unspek­ta­ku­lä­res Dörf­chen, das sich schon vor sehr vie­len Jah­ren See­bad nen­nen durf­te. Hier gibt es einen klei­nen Hafen und man kann am Meer ent­lang lau­fen. Wenn man Glück hat, fin­det man am Weges­rand fri­sche Kir­schen, die man kau­fen und beim Spa­zie­ren­ge­hen essen kann. 

In und um Lauterbach
Lust­wan­deln bei strah­len­dem Sonnenschein 

Außer­dem gibt es in Lau­ter­bach das soge­nann­te “Haus über Kopf” — der Name ist Pro­gramm: hier hän­gen die Möbel an der Decke. Nichts befin­det sich in der Waa­ge, sodass man beim Gehen auf­pas­sen muss. 

Das “Haus über Kopf” — nur echt mit Gesichtsschutz … 
Man kann hier lus­ti­ge Spie­le­rei­en machen … 

Irgend­wie ist alles ver­traut und doch falsch — eine wah­re Freu­de für die Sinne … 

Auf unse­rem Rück­weg Rich­tung Park­platz fiel David ein grü­nes Wan­der­schild auf, das neben der Bahn­stre­cke nach links wies. Wir folg­ten dem Tram­pel­pfad und lan­de­ten bei einem soge­nann­ten Großstein­grab, das wohl aus der Jung­stein­zeit stammt. Ein net­tes, schat­ti­ges Fleck­chen Erde, an dem in regel­mä­ßi­gen Abstän­den der “Rasen­de Roland” vor­bei fährt. 

Der Rasen­de Roland 
Am Großstein­grab

Danach ging es wei­ter nach Sel­lin, einem ande­ren bekann­ten See­bad, deut­lich klei­ner als Binz. Am bekann­tes­ten — und auf vie­len Post­kar­ten zu fin­den — dürf­te wohl der Blick auf die soge­nann­te See­brü­cke sein. 

Sel­li­ner Seebrücke 

Noch zu kai­ser­li­chen Zei­ten erbaut und dann spä­ter umge­stal­tet, wur­de das maro­de Gebäu­de in den 1970er Jah­ren erst für die Öffent­lich­keit gesperrt und spä­ter abge­ris­sen. Erst nach der Wen­de wur­de die See­brü­cke nach his­to­ri­schen Vor­bild wie­der auf­ge­baut und 1998 eröff­net. Heu­te beher­bergt sie ein Restau­rant mit einem gro­ßen Saal, der sich auch wun­der­bar für Fei­er­lich­kei­ten eig­net. Die Räum­lich­kei­ten sind sehr schön und außergewöhnlich. 

Im Kai­ser­pa­vil­li­on auf der Seebrücke 

Es gibt am Ende der See­brü­cke außer­dem noch eine Tauch­glo­cke. Mit ihr kann man 4,5 m tief in die Ost­see abtau­chen. Wir ler­nen, dass die Ost­see ein Brack­was­ser­meer (eine Mischung aus Süß- und Salz­was­ser) und eigent­lich grün ist. Qual­len und Fische schwe­ben vor­bei. Vor allem das Ab- und Auf­tau­chen ist faszinierend. 

Tauch­glo­cke von außen 
Kor­mo­ra­ne
Sel­li­ner See­brü­cke bei Nacht 

Insel-Hopping

Heu­te haben wir Rügen vor­über­ge­hend ver­las­sen um auf die benach­bar­te Insel Hid­den­see über­zu­set­zen. Mit dem Was­ser­ta­xi ging es von Scha­pro­de nach Vit­te auf Hid­den­see. Eigent­lich woll­ten wir die Fäh­re neh­men, doch wir hät­ten auf das nächs­te Schiff über ein­ein­halb Stun­den war­ten müs­sen, wes­halb wir uns dann doch in das deut­lich klei­ne­re Was­ser­ta­xi begaben. 

In Scha­pro­de war es kühl und nie­sel­te, wes­halb wir erst zöger­ten, über­haupt nach Hid­den­see rüber­zu­fah­ren. Schluss­end­lich war es ein guter Ent­schluss, denn nach kurz­zei­ti­gem Regen kam auf Hid­den­see die Son­ne durch und es wur­de rich­tig schön. Vom Hafen in Vit­te aus fuh­ren wir mit der Pfer­de­kut­sche (die Insel ist fast auto­frei) wei­ter gen Nor­den nach Klos­ter, von wo aus man zum Leucht­turm Dorn­busch lau­fen kann. Er steht an der Nord­spit­ze der Insel und erstrahlt in weiß und rot. 

Leucht­turm auf Hiddensee
Die Son­ne kommt raus! 
Blick auf die Lam­pe mit Fresnel-Linse 

Vom Nor­den der Insel aus lie­fen wir am Strand ent­lang zurück nach Vit­te. Mitt­ler­wei­le strahl­te die Son­ne vom leuch­tend blau­en Him­mel, was den Rück­weg umso schö­ner machte. 

Im Nor­den der Insel ist alles vol­ler Königskerzen. 
Hach! 🙂

Da die Insel bis auf weni­ge not­wen­di­ge Fahr­zeu­ge auto­frei ist, gibt es hier vie­le Fahr­rä­der und Hand­kar­ren, aber auch zahl­rei­che Pfer­de. Sie wer­den für die Kut­schen benö­tigt, kön­nen aber auch für Aus­rit­te gebucht werden. 

Auch wenn Hid­den­see eine klei­ne, schma­le Insel ist, hät­te man noch viel mehr machen kön­nen als das, was wir in ein paar Stun­den geschafft haben. Wir hat­ten aber kei­ne Lust, uns über die Insel zu stres­sen, wes­halb wir lie­ber weni­ger gese­hen, dafür aber alles umso inten­si­ver genos­sen haben. 😉