Binz zum zweiten

Binz hat den Vor­teil, als See­bad wirk­lich direkt an der Ost­see zu lie­gen. Dem­entspre­chend groß ist der Bade­strand mit Strand­kör­ben und Strand­bars, an dem sich vie­le Bade­gäs­te tum­meln. Macht man sich die Mühe, die Pro­me­na­de bis zum Ende zu lau­fen, gelangt man zum Natur­schutz­ge­biet Gra­nitz. Hier gibt es nicht nur einen wun­der­vol­len alten Buchen­wald, son­dern auch ein ‘wil­des’ Stück Strand, an dem sich weni­ge bis kei­ne Bade­gäs­te auf­hal­ten. Theo­re­tisch kann man über den Kies bis nach Sel­lin lau­fen, aber das war uns dann doch zu anstren­gend. Statt­des­sen haben wir ein paar Feu­er­stei­ne gesam­melt, ein Türm­chen gebaut und den Enten, Schwä­nen und Kor­mo­ra­nen zuge­se­hen.

Buchen­wald an der Gra­nitz
Es war son­nig, aber win­dig …
Unser Türm­chen
Kor­mo­ran beim Son­nen und Schwan
Das Kur­haus

PS: Davids Turm (sie­he oben) ist jetzt auch unter Goog­le Maps als Sehens­wür­dig­keit zu fin­den. 😉

Noch mehr Seebäder

Natür­lich ist Binz nicht das ein­zi­ge See­bad auf der Insel Rügen. Wir fah­ren nach Lau­ter­bach — ein unspek­ta­ku­lä­res Dörf­chen, das sich schon vor sehr vie­len Jah­ren See­bad nen­nen durf­te. Hier gibt es einen klei­nen Hafen und man kann am Meer ent­lang lau­fen. Wenn man Glück hat, fin­det man am Weges­rand fri­sche Kir­schen, die man kau­fen und beim Spa­zie­ren­ge­hen essen kann.

In und um Lau­ter­bach
Lust­wan­deln bei strah­len­dem Son­nen­schein

Außer­dem gibt es in Lau­ter­bach das soge­nann­te “Haus über Kopf” — der Name ist Pro­gramm: hier hän­gen die Möbel an der Decke. Nichts befin­det sich in der Waa­ge, sodass man beim Gehen auf­pas­sen muss.

Das “Haus über Kopf” — nur echt mit Gesichts­schutz …
Man kann hier lus­ti­ge Spie­le­rei­en machen …

Irgend­wie ist alles ver­traut und doch falsch — eine wah­re Freu­de für die Sin­ne …

Auf unse­rem Rück­weg Rich­tung Park­platz fiel David ein grü­nes Wan­der­schild auf, das neben der Bahn­stre­cke nach links wies. Wir folg­ten dem Tram­pel­pfad und lan­de­ten bei einem soge­nann­ten Großstein­grab, das wohl aus der Jung­stein­zeit stammt. Ein net­tes, schat­ti­ges Fleck­chen Erde, an dem in regel­mä­ßi­gen Abstän­den der “Rasen­de Roland” vor­bei fährt.

Der Rasen­de Roland
Am Großstein­grab

Danach ging es wei­ter nach Sel­lin, einem ande­ren bekann­ten See­bad, deut­lich klei­ner als Binz. Am bekann­tes­ten — und auf vie­len Post­kar­ten zu fin­den — dürf­te wohl der Blick auf die soge­nann­te See­brü­cke sein.

Sel­li­ner See­brü­cke

Noch zu kai­ser­li­chen Zei­ten erbaut und dann spä­ter umge­stal­tet, wur­de das maro­de Gebäu­de in den 1970er Jah­ren erst für die Öffent­lich­keit gesperrt und spä­ter abge­ris­sen. Erst nach der Wen­de wur­de die See­brü­cke nach his­to­ri­schen Vor­bild wie­der auf­ge­baut und 1998 eröff­net. Heu­te beher­bergt sie ein Restau­rant mit einem gro­ßen Saal, der sich auch wun­der­bar für Fei­er­lich­kei­ten eig­net. Die Räum­lich­kei­ten sind sehr schön und außer­ge­wöhn­lich.

Im Kai­ser­pa­vil­li­on auf der See­brü­cke

Es gibt am Ende der See­brü­cke außer­dem noch eine Tauch­glo­cke. Mit ihr kann man 4,5 m tief in die Ost­see abtau­chen. Wir ler­nen, dass die Ost­see ein Brack­was­ser­meer (eine Mischung aus Süß- und Salz­was­ser) und eigent­lich grün ist. Qual­len und Fische schwe­ben vor­bei. Vor allem das Ab- und Auf­tau­chen ist fas­zi­nie­rend.

Tauch­glo­cke von außen
Kor­mo­ra­ne
Sel­li­ner See­brü­cke bei Nacht

Insel-Hopping

Heu­te haben wir Rügen vor­über­ge­hend ver­las­sen um auf die benach­bar­te Insel Hid­den­see über­zu­set­zen. Mit dem Was­ser­ta­xi ging es von Scha­pro­de nach Vit­te auf Hid­den­see. Eigent­lich woll­ten wir die Fäh­re neh­men, doch wir hät­ten auf das nächs­te Schiff über ein­ein­halb Stun­den war­ten müs­sen, wes­halb wir uns dann doch in das deut­lich klei­ne­re Was­ser­ta­xi bega­ben.

In Scha­pro­de war es kühl und nie­sel­te, wes­halb wir erst zöger­ten, über­haupt nach Hid­den­see rüber­zu­fah­ren. Schluss­end­lich war es ein guter Ent­schluss, denn nach kurz­zei­ti­gem Regen kam auf Hid­den­see die Son­ne durch und es wur­de rich­tig schön. Vom Hafen in Vit­te aus fuh­ren wir mit der Pfer­de­kut­sche (die Insel ist fast auto­frei) wei­ter gen Nor­den nach Klos­ter, von wo aus man zum Leucht­turm Dorn­busch lau­fen kann. Er steht an der Nord­spit­ze der Insel und erstrahlt in weiß und rot.

Leucht­turm auf Hid­den­see
Die Son­ne kommt raus!
Blick auf die Lam­pe mit Fres­nel-Lin­se

Vom Nor­den der Insel aus lie­fen wir am Strand ent­lang zurück nach Vit­te. Mitt­ler­wei­le strahl­te die Son­ne vom leuch­tend blau­en Him­mel, was den Rück­weg umso schö­ner mach­te.

Im Nor­den der Insel ist alles vol­ler Königs­ker­zen.
Hach! 🙂

Da die Insel bis auf weni­ge not­wen­di­ge Fahr­zeu­ge auto­frei ist, gibt es hier vie­le Fahr­rä­der und Hand­kar­ren, aber auch zahl­rei­che Pfer­de. Sie wer­den für die Kut­schen benö­tigt, kön­nen aber auch für Aus­rit­te gebucht wer­den.

Auch wenn Hid­den­see eine klei­ne, schma­le Insel ist, hät­te man noch viel mehr machen kön­nen als das, was wir in ein paar Stun­den geschafft haben. Wir hat­ten aber kei­ne Lust, uns über die Insel zu stres­sen, wes­halb wir lie­ber weni­ger gese­hen, dafür aber alles umso inten­si­ver genos­sen haben. 😉

Ein Segeltörn auf der Ostsee

Wenn man in Binz am Was­ser ist, wird oft der Blick wie auto­ma­tisch von einem gro­ßen Segel­schiff ange­zo­gen. Majes­tä­tisch liegt es an der See­brü­cke und zieht Besu­cher an.

Es han­delt sich um eine Bar­ken­ti­ne, in die­sem Fall ein drei­mas­ti­ger Groß­seg­ler, mit dem Namen Loth Loriën. Sie gehört der Ree­de­rei “Van der Rest Sail Char­ter” und hat als Hei­mat­ha­fen Ams­ter­dam.

Die Loth Loriën an der See­brü­cke in Binz

Man kann an Bord über­nach­ten oder gleich den gan­zen Seg­ler für Aus­flü­ge buchen. Oder man macht es wie wir und dreht mit ande­ren Gäs­ten zusam­men einen zwei­stün­di­gen Törn an Bord über die Ost­see.

An Bord gibt es eine Bar, die auch Cock­tails hat und eine wun­der­ba­re Aus­sicht auf die Küs­te. Wie weit man fährt, hängt natür­lich vom Wind ab. Es ist eine ent­span­nen­de und trotz­dem auf­re­gen­de Fahrt. Die Crew lässt einen auch durch­aus mal mit­se­geln…

“Hier­dran zie­hen bis es nicht mehr geht” ist durch­aus eine Anwei­sung, die ich als Land­rat­te noch befol­gen kann.

Das Schiff ist von 1907 und in den über 100 Jah­ren gut gepflegt und immer wie­der umge­baut wor­den. Beim Segel­set­zen zuzu­schau­en ist schon impo­sant.

Blick den vor­de­ren Mast hin­auf

Weil man ja an Bord sowie­so Zeit hat, und Aus­sicht genies­sen möch­te, kann man genau die­sen Mast auch hoch­klet­tern. Mit einem Klet­ter­gurt von Petzl und dem Matro­sen Jan am ande­ren Ende, der einen an der Ver­täu­ung sichert, geht es dann in die Take­la­ge:

Es kann nur Auf­wärts gehen!

Auf der zwei­ten Platt­form hat man dann einen wun­der­ba­ren Aus­blick auf Schiff und Küs­te:

Der Blick über Ach­tern
Der Bug des Schif­fes und die Segel von oben.

Für Leu­te mit dem Wunsch nach mehr Ner­ven­kit­zel kann man mit dem Speed­boot Run­den ums Schiff dre­hen, was viel und ger­ne genutzt wur­de:

Spaß für die gan­ze Fami­lie!

Das Schiff segelt unter Nie­der­län­di­scher Flag­ge und hat natür­lich auch die Flag­ge des Hei­mat­ha­fens gehisst. Fra­ge eines unbe­darf­ten Tou­ris­ten: “War­um haben Sie die Flag­ge vom Cof­fee­shop in Ams­ter­dam?”

So segelt die Loth Loriën gemüt­lich unter dem Schutz Ihres Dra­chen über die Ost­see.

Der Gol­de­ne Dra­che in der Take­la­ge…
…und über dem Namsns­schild an Bord.

Kap Arkona

Das berühm­te Kap — ein soge­nann­tes Flä­chen­denk­mal — haben wir schon vor drei Tagen besucht. Wir waren oben auf dem neu­en Leucht­turm, um die Aus­sicht zu genie­ßen. In den alten Leucht­turm, der unter ande­rem ein Stan­des­amt beher­bergt, kann man momen­tan nicht rein — wir ver­mu­ten den Grund in der Coro­na-Pan­de­mie. Ich moch­te vor allem das schö­ne alte, rote Gelän­der, das sich um die Aus­sichts­plat­form des neu­en Leucht­turms zieht.

Kap Arko­na — alter (links) und neu­er (rechts) Leucht­turm
Immer­hin passt die Mas­ke zum Gelän­der …
Aus­sicht auf den Peil­turm

Es gibt am Kap Arko­na noch unter­ir­di­sche Bun­ker­sys­te­me, die man besich­ti­gen kann, aber das haben wir uns dies­mal gespart. Direkt ran an die Klip­pen kommt man lei­der auch kaum, ein­fach weil die Krei­de­fel­sen porös sind und Lebens­ge­fahr besteht. Den ehe­ma­li­gen Peil­turm, der mitt­ler­wei­le eine Mischung aus Laden und Kaf­fee­bar ist, haben wir aber erklom­men. Von oben hat man eine net­te Aus­sicht auf eine früh­mit­tel­al­ter­li­che Tem­pel­burg, von der nur noch Fun­da­men­te übrig sind. Momen­tan fin­den hier archäo­lo­gi­sche Aus­gra­bun­gen statt.

Archäo­lo­gen bei der Arbeit

Es lohnt sich außer­dem ein Abste­cher ins frü­he­re Fischer­dorf Vitt, des­sen alter­tüm­li­cher Charme sich bis heu­te erhal­ten hat. Befes­tig­te Stra­ßen gibt es bei­spiels­wei­se nicht. Die Aus­sicht aufs Meer ist dafür wun­der­bar.

Am Hafen von Vitt
Join the Möw­ment!

Mit dem Auto kann man das Flä­chen­denk­mal Kap Arko­na nicht anfah­ren, aber es gibt Kut­schen oder eine Bim­mel­bahn, die zwi­schen dem Sam­mel­park­platz und dem Kap ver­keh­ren. Wer gut zu Fuß ist, kann auch ein­fach lau­fen.

Wenn man schon am Meer ist…

…dann geht man an den Strand und baut eine Sand­burg!

Aber weil das ja alle machen und weil das, was alle machen lang­wei­lig ist, gibt es in Binz aktu­ell die höchs­te Sand­burg der Welt zu sehen. Sie wur­de am 5. Juni 2019 vom Juror der “Guin­ness World Records” bestä­tigt: 17,66m ist Welt­re­kord!

Und weil ein­fach nur Sand auf­schüt­ten ja auch lang­wei­lig ist, gibt es an der Burg viel zu sehen:

Front­an­sicht
Man hat­te sehr viel Lie­be zum Detail.
In den 11.000 Ton­nen Sand gibt es viel zu ent­de­cken.
Wer genau hin­sieht, kann einen Dra­chen auf dem Schild des Rit­ters ent­de­cken.
Auch einen Hen­ker gibt es!

Die­se Burg wur­de letz­tes Jahr zum 10-Jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Bin­zer Sand­skulp­tu­ren-Fes­ti­vals gebaut. Das fin­det jedes Jahr statt, und die­ses Jahr ist das The­ma “Die Bibel”. Hier wur­den sehr detail­lier­te und fan­tas­ti­sche Ansich­ten in den Sand gezau­bert:

Die Schöp­fungs­ge­schich­te
Turm­bau zu Babel
Das Opfer Abra­hams
Die Arche Noah
Der Pha­rao, des­sen Träu­me von Josef gedeu­tet wer­den.
Der gestoh­le­ne Becher
Die Damen, die Moses in sei­nem Wei­den­korb fan­den.
Die neun Pla­gen im Reich des Pha­rao
Moses teilt das Rote Meer
Das Gol­de­ne Kalb
Der gefal­le­ne Engel. Hier beson­des schön dar­ge­stellt mit dem Engels­flü­gel oben und dem Teu­fels­flü­gel unten.
Die schö­ne Deli­lah schnei­det Sam­sons Haar
Das Jesus­kind ist im Stall gebo­ren
Die hei­li­gen drei Köni­ge
Das letz­te Abend­mahl

Die­se Bil­der sind natür­lich nur eine Aus­wahl — es gab ins­ge­samt 39 Sta­tio­nen bzw. Skulp­tu­ren in beein­dru­cken­der Detail­treue zu sehen. Tan­ja muss­te mir öfters Fra­gen wie “Was macht denn der Typ da?” beant­wor­ten, da ich mal wie­der kei­nen Plan von der Bibel hat­te…

Allein aus künst­le­ri­scher Sicht sind die Skulp­tu­ren beein­dru­ckend und selbst ich konn­te sehen, dass die Vor­la­ge für das Abend­mahl das berühm­te gleich­na­mi­ge Bild war, das sehr gut umge­setzt wur­de.

Sassnitzer Architektur

Der schon erwähn­te Stadt­ha­fen von Sass­nitz liegt 22m tie­fer als die soge­nann­te Ober­stadt. Um die bei­den bar­rie­re­frei mit­ein­an­der zu ver­bin­den wäre natür­lich ein Fahr­stuhl wie auf Hel­go­land mög­lich gewe­sen. Man hat sich jedoch für eine archi­tek­to­nisch sehr viel schö­ne­re Vari­an­te ent­schie­den: eine geschwun­ge­ne Fuß­gän­ger­brü­cke.

Die­se wird hier “Stadt­bal­kon mit Meer­blick” genannt und wur­de 2007 fer­tig­ge­stellt. Im Jah­re 2010 hat sie den Deut­schen Brü­cken­bau­preis in der Kate­go­rie “Fuß­gän­ger- und Rad­fah­rer­brü­cken” gewon­nen. Die Anfor­de­run­gen waren eine Her­aus­for­de­rung für das Inge­neurbü­ro: Es soll­te ein Wahr­zei­chen ent­ste­hen, die Krei­de­fel­sen durf­ten mög­lichst wenig belas­tet wer­den, es soll­te Bar­rie­re­frei sein und das an der Stel­le im Stadt­ha­fen ste­hen­de his­to­ri­sche Gebäu­de durf­te nicht beein­träch­tigt wer­den. Außer­dem soll­te ein schö­ner Blick auf Hafen und Meer mög­lich sein.

Die Fir­ma “Schlaich, Berg­mann & Part­ner” hat das sehr ele­gant und mit einer fan­tas­tisch anmu­ten­den Anmut umge­setzt: ein Teil als Stän­der­brü­cke, aber über dem his­to­ri­schen Hafen­bahn­hof mit einer ein­sei­tig auf­ge­häng­ten Hän­ge­brü­cke mit Ring­kreis­trä­ger. Klingt toll, sieht noch bes­ser aus:

Rechts der ein­zel­ne, tra­gen­de Stahl­mast, links die Brü­cke. Sie schwingt sich über den alten Hafen­bahn­hof und ist nur auf ihrer rech­ten Sei­te auf­ge­hängt. Im Hin­ter­grund der zwei­te Teil, als Stän­der­brü­cke aus­ge­führt.
Als Ergeb­nis gibt es einen völ­lig unge­hin­der­ten Blick auf das Meer.
Die Brü­cke wirkt fili­gran, fast trans­pa­rent. Das ist auch dem Stahl­seil-Netz geschul­det, das unter dem Gelän­der gespannt ist. Steht man auf ihr merkt man die leich­ten dyna­mi­schen Bewe­gun­gen, die jedem frei­ste­hen­den Bau­werk inne­woh­nen.

Unter den Wellen

Der Stadt­ha­fen von Sass­nitz im Nord­os­ten von Rügen bie­tet eine schö­ne Aus­sicht, einen Sport­ha­fen, Schiff­arts- und Hafen­mu­se­um, einen net­ten Laden mit Hand­werks­kunst, Ver­kaufs­schif­fe für aller­lei Fisch­ge­rich­te, vie­le Läden in den alten Hafen­ge­bäu­den und ein aus­ge­mus­ter­tes U‑Boot der bri­ti­schen Mari­ne, die H.M.S Otus.

Die­ses U‑Boot steht der Öffent­lich­keit als Muse­ums- und Anschau­ungs­ob­jekt zur Ver­fü­gung. Tan­ja hat­te noch nie ein U‑Boot in natu­ra von innen gese­hen, ich zuletzt vor vie­len Jah­ren in Den Hel­der. So beschlos­sen wir, uns das Unter­was­ser-Gefährt mal anzu­schau­en.

Das Inne­re ist beengt, jede Ecke ist mit Tech­nik voll­ge­stopft und es ist sehr schwer, Coro­na-Abstän­de zu wah­ren. Ich war froh um mei­ne neue Weit­win­kel-Lin­se für die Kame­ra, denn sonst hät­te ich kaum die Ein­drü­cke ver­nünf­tig fest­hal­ten kön­nen. So sind die fol­gen­den Bil­der mit 10mm Klein­bild-Equi­va­lent ent­stan­den:

Der Tor­pe­do-Raum — hier kommt man ins U‑Boot hin­ein und sieht, wo damals 21 Tor­pe­dos gela­gert wur­den und die Roh­re, durch die sie abge­schos­sen wor­den sind.
Die Echo­lot­an­la­ge — sie gibt die cha­rak­te­ris­ti­schen Pings ins Meer ab, die man etwa von Pink Floyds “Echoes” kennt.
Von hier aus wer­den die Tor­pe­dos gelei­tet. Viel Tech­nik…
Wer sich hier aus­kennt, muss wohl lan­ge dafür trai­niert haben…
Die gro­ßen Die­sel­mo­to­ren, die den Antrieb im auf­ge­tauch­ten Zustand dar­stel­len. Zwei klei­ne­re Gene­ra­to­ren laden einen gan­zen Berg Akkus auf, die dann den elek­tri­schen Ans­trieb im abge­tauch­ten Zustand sicher­stel­len. Qua­si ein Hybrid­fahr­zeug. Dadurch war das U‑Boot unter Was­ser so lei­se, dass es sich gut anschleich­ten konn­te. Daher wur­de die­se U‑Boot-Klas­se auch “Silent Hun­ter” genannt.
Die Kom­bü­se — hier muss­te täg­lich Essen für 68 Besat­zungs­mit­glie­der gekocht wer­den. Auf der Flä­che eine wirk­li­che Her­aus­for­de­rung.

Alles in Allem war es eine inter­es­san­te Erfah­rung und wir haben fest­ge­stellt, dass die Beweg­lich­keit, die uns das Klet­tern beschert, durch­aus hilf­reich ist, um sich durch das enge U‑Boot und vor allem die klei­nen Schotts zu bewe­gen.

Wenn man sich vor­stellt, wie die Mann­schaft Tage‑, Wochen- oder Mona­te­lang auf der­art engem Raum ein­ge­pfercht war, möch­te man die­sen Job nicht machen. Der Besuch lohnt sich trotz­dem auch für nicht Tech­nik- oder Mari­ne-affi­ne Men­schen.

Prora

Nach­dem wir des Gat­tens Mas­ke wie­der­ge­fun­den hat­ten, fuh­ren wir nach Pro­ra. Wir hat­ten den unge­heu­ren Gebäu­de­kom­plex schon von der Aus­sichts­plat­form des Baum­wip­fel­pfa­des aus gese­hen. Von den Nazis als Rie­sen-See­bad kon­stru­iert, wur­de der Bau bei Kriegs­aus­bruch ein­ge­stellt. Pro­ra beher­berg­te nie die gedach­ten 20 000 Urlau­ber, son­dern wur­de vor allem mili­tä­risch genutzt.

Heu­te sind eini­ge der Gebäu­de reno­viert und die­nen als (Ferien)Wohnungen. Auch das Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum befin­det sich hier. Bis vor eini­gen Jah­ren beher­berg­te der Kom­plex zudem eine Dis­ko. Der Park­platz ist neu gemacht und wei­te­re Reno­vie­run­gen sind in Gan­ge. Kei­ner weiß so recht, ob es rich­tig ist, die Fas­sa­den bau­lich zu ver­än­dern und die Gebäu­de anders zu nut­zen, oder ob Pro­ra als Denk­mal wei­ter­hin in sei­nem ursprüng­li­chen Zustand erhal­ten wer­den soll­te. Aller­dings sind die rie­si­gen Nazi-Gebäu­de weder eine Augen­wei­de noch ist die Bau­sub­stanz in beson­ders gutem Zustand. Auch die Stim­mung, die von den leer­ste­hen­den Bau­ten aus­geht, ist selt­sam. Der Blick aufs Meer ist von Pro­ra aus aller­dings wirk­lich schön.

Der wei­ße Teil ist bereits reno­viert, die grau­en Fas­sa­den zei­gen Pro­ra im Ori­gi­nal­zu­stand.
Auf dem Weg zur alten Kai-Anla­ge
Kai-Mau­er und Strand bei Pro­ra

Über den Bäumen

Mon­tag zog es den Göt­ter­gat­ten — bei ange­nehm war­men Wet­ter und Son­nen­schein — erst ein­mal zum Baum­wip­fel­pfad. Ihn reiz­te beson­ders die Aus­sicht auf die Umge­bung, aber auch die Tat­sa­che, dass er noch nie auf einem Baum­wip­fel­pfad unter­wegs gewe­sen war.

Bei maxi­mal 6% Stei­gung — sehr ange­nehm zu lau­fen — ging es also hin­auf in die Baum­kro­nen. Es war nicht zu viel los und meis­tens gelang es uns, von den ande­ren Besu­chern Coro­na-gerech­ten Abstand zu hal­ten. Zwi­schen­durch gibt es immer mal wie­der Lern- bzw. Geschick­lich­keits­sta­tio­nen. Vor allem letz­te­re mach­ten beim Über­que­ren gro­ßen Spaß. Auf der Aus­sichts­plat­form selbst war es son­nig, aber auch sehr win­dig. Jacke mit­neh­men lohnt sich also. Von oben hat­ten wir einen wun­der­ba­ren Blick auf die Umge­bung.

Es geht nach oben …
Blick auf das ers­te Ron­dell
Blick auf das zwei­te Ron­dell, mit ca. 80jähriger Rot­bu­che in der Mit­te
Blick aufs Meer

Nach dem anstren­gen­den *hust* Auf­stieg kehr­ten wir in das zum Baum­wip­fel­pfad dazu­ge­hö­ri­ge Lokal ein. Nach­fra­gen brach­te zuta­ge, dass die glu­ten­frei­en Pom­mes in einer eige­nen Frit­teu­se gemacht wer­den und somit für uns ess­bar sind — hur­rah! Der Mit­tags­s­nack war geret­tet! Lei­der fiel dem Göt­ter­gat­ten beim Ver­las­sen des Lokals die Mas­ke aus der Tasche, wes­halb wir noch ein­mal wie­der­kom­men und das baby­blaue Stoff­teil suchen muss­ten — sehr zum Leid­we­sen des Man­nes, der auf sich selbst wütend war …