Alte Schiffe

Ges­tern sind wir — bei wech­sel­haf­tem Wet­ter, sprich: ab und zu mal Nie­sel­re­gen — mit der Elb­fäh­re raus­ge­fah­ren zum Oevel­gön­ner Muse­ums­ha­fen. Der ehren­amt­li­che Ver­ein restau­riert alte Schif­fe, vor allem Fracht- und Hafen­fahr­zeu­ge aus den Jah­ren 1880 bis 1960, macht sie wie­der see­tüch­tig und stellt sie im oben genann­ten Hafen für die All­ge­mein­heit aus. Son­der­fahr­ten mit vie­len der Schif­fe und Boo­te wer­den auch angeboten. 

Die ‘Mat­hil­da’, eine Dampfpinasse 
Mit die­sen Dampf­schlep­pern wur­den ande­re Was­ser­fahr­zeu­ge (ohne eige­nen Motor) im Hafen bewegt. 
Schild — Spe­cial Design
Schwimm­kran, frü­her im Hafen ein­ge­setzt (wird jetzt für die Arbeit an den his­to­ri­schen Schif­fen benutzt)
Schö­ner Seg­ler: die ‘Frei­herr von Maltzahn’ 

Ein beson­de­res High­light war die Besich­ti­gung des Eis­bre­chers ‘Stet­tin’. Der Damp­fer wird heu­te noch für Son­der­fahr­ten genutzt und ist voll funktionstüchtig. 

Eis­bre­cher ‘Stet­tin’

Sogar der Maschi­nen­raum war offen und Besu­chern zugäng­lich. Da das Schiff am Sonn­tag erst auf Fahrt gewe­sen war, war der Kes­sel noch heiß. 

Im Maschi­nen­raum der ‘Stet­tin’
Full Steam Ahead! 
Abküh­len­der Kessel 

Als Eis­bre­cher ist die ‘Stet­tin’ ein sehr brei­tes, robus­tes Schiff. Das ist natür­lich sehr prak­tisch für Ver­an­stal­tun­gen auf dem Schiff! 

Heck des Eis­bre­chers, hin­ten im Bild eine Elbfähre 

Ger­ne hät­ten wir auch die ‘Elbe 3′ besich­tigt, ein ehe­ma­li­ges Feu­er­schiff, das auch im Muse­ums­ha­fen Oevel­gön­ne liegt, aber die­se war ges­tern nicht für Besu­cher geöff­net. Wer sich für Feu­er­schif­fe inter­es­siert, der kann sich ger­ne hier über die ‘Bor­k­um­riff IV’ infor­mie­ren, die wir letz­ten Herbst besich­tigt haben. 

Das Feu­er­schiff ‘Elbe 3’

An Bord des frü­he­ren Fähr­schif­fes ‘Ber­ge­dorf’ haben wir schließ­lich noch gemüt­lich geses­sen und Erfri­schun­gen zu uns genom­men. Der schiffs­ge­mach­te Eis­tee ist sehr lecker und abso­lut zu emp­feh­len! Anschlie­ßend haben wir uns per Fäh­re wie­der Rich­tung Lan­dungs­brü­cken aufgemacht. 

Blick von der Fäh­re aus auf das Hafenpanorama 

Unterwelt des Oberlandes

Ges­tern haben wir eine Neun­zig­mi­nü­ti­ge Füh­rung durch den erhal­te­nen Teil des zivi­len Luft­schutz­bun­kers mit­ge­macht und dabei wie­der eini­ges über Hel­go­lands Geschich­te erfahren. 

Zum Bei­spiel muss ich eine Aus­sa­ge zum bereits erwähn­ten “Big Bang” kor­ri­gie­ren. Der Spreng­be­fehl umfass­te expli­zit nicht die gesam­te Insel, son­dern nur die mili­tä­ri­schen Anla­gen. Des­halb ist der Zivi­le Luft­schutz­bun­ker auch erhal­ten geblie­ben, zumin­dest teil­wei­se. Ein Teil des Fuchs­baus und der Wed­din­gen­stol­len sind heu­te begehbar:

Die Lage der Stol­len im Fels des Oberlandes
Der Wed­din­gen­stol­len in fast vol­ler Länge.
Eines von zwei heu­te noch funk­tio­nie­ren­den Not-Telefonen.

Die­ser Bun­ker hat damals bei einem der größ­ten Angrif­fe auf Hel­go­land (inner­halb von weni­ger als zwei Stun­den sind fast 7.000 Bom­ben auf Hel­go­land abge­wor­fen wor­den) der gesam­ten Zivil­be­völ­ke­rung das Leben geret­tet. Da trotz­dem am nächs­ten Tag noch zurück­ge­schos­sen wur­de (die Bom­ben konn­ten die 3m Stahl­be­ton der wich­tigs­ten Flak-Stel­lun­gen nicht durch­drin­gen) kam ein zwei­ter Angriff mit pas­sen­der Muni­ti­on, der so hef­tig war, dass selbst der Bun­ker wackel­te wie ein Schiff auf See. Danach war kei­ne mili­tä­ri­sche Gegen­wehr mehr möglich.

Die Hel­go­län­der Zivil­be­völ­ke­rung war­te­te noch einen Tag. Als alles ruhig blieb, beschloss man die Rück­kehr zur Ober­flä­che. Es dau­er­te drei Tage, sich frei zu bud­deln, weil die Ein­gän­ge ver­schüt­tet waren. Oben fand man nichts mehr vor. Nur der Flak-Kom­man­do­turm stand noch (heu­te ver­wen­det als neu­er Leucht­turm), alles ande­re war nur noch Schutt. Dar­auf­hin wur­de Hel­go­land evakuiert.

Der mili­tä­ri­sche Teil des Bun­kers war damals sehr viel grö­ßer. Es gab eine Groß­bä­cke­rei, die für 4.000 Men­schen Brot backen konn­te, eine unter­ir­di­sche Bahn vom Hafen bis in die Nord­spit­ze Hel­go­lands und vie­les mehr. Die Bahn ermög­lich­te es, die oben sta­tio­nier­ten Geschüt­ze von unten mit Nach­schub zu versorgen.

Alle mili­tä­ri­schen Instal­la­tio­nen wur­den gesprengt, wodurch das Ober­land deut­lich klei­ner wur­de. In der soge­nann­ten “Raum­an­la­ge”, wo die Bäcke­rei unter­ge­bracht war, gab es auch ein Kran­ken­haus. Heu­te steht das Hel­go­län­der Kran­ken­haus an der sel­ben Stel­le, aller­dings nicht mehr unter­ir­disch, da die gesam­te Süd­spit­ze bei der Spren­gung zer­stört wur­de. Heu­te bil­det die­ser Teil das “Mit­tel­land”.

Hel­go­lands Fel­sen­form vor und nach der Sprengung.