Fehmaraner Inselkulinarik

Die Aus­wahl an Restau­rants auf der Insel ist groß und viel­fäl­tig. Auch glu­ten­freie Optio­nen sind gut ver­tre­ten. Ein paar Mal haben wir selbst gekocht, aber wir haben auch lecke­res Essen von Kol­les Fisch­pfan­ne geholt. Die sind fast gegen­über unse­res Feri­en­häus­chens und bie­ten an, die Schul­le bei­spiels­wei­se zu düns­ten, statt sie mehliert zu bra­ten. Das Gan­ze sieht dann sehr lecker aus:

Gedüns­te­te Schol­le Fin­ken­wer­der Art und Kol­les Steakpfanne.

Wer Fan von Piz­za ist, wird in Burg fün­dig. Bei Don Camil­lo e Pep­po­ne hat man die Mög­lich­keit, Piz­za und Pas­ta auch in guten­frei zu bekom­men — und das war super lecker! Der Ser­vice ist klas­se und der Nach­tisch ebenfalls!

Wer es etwas aus­ge­fal­le­ner mag, kann in Burg auch ins Pfann­ku­chen­haus Feh­marn gehen. Wer jetzt erwar­tet, dort die übli­chen Stan­dard-Pfann­ku­chen zu fin­den, wird die­se nur in sehr klei­ner Aus­wahl zu sehen bekom­men. Hier ist das Außer­ge­wöhn­li­che zu Hau­se und man bie­tet ganz beson­de­re Pfann­ku­chen an. Ein Blick in die Spei­se­kar­te lohnt sich! Auch hier ist Glu­ten­frei kein Pro­blem, man ach­tet sogar dar­auf, wenn eini­ge Zuta­ten nicht funk­tio­nie­ren (etwa die Vanil­le­sauce). Und so sieht dann ein Mar­zi­pan­pfann­ku­chen in Des­sert­grö­ße aus:

Mar­zi­pan-Pfann­ku­chen mit Bana­ne, Eier­li­kör und Mohn.

Auch edel kann man glu­ten­frei essen! Für den beson­de­ren Abend emp­fiehlt sich das Restau­rant Mar­ga­ra­ten­hof. Dort gibt es pfif­fi­ge Gerich­te mit rus­ti­ka­lem Touch (Etwa die sehr lecke­re Ente Thai-Style). Glu­ten­frei kennt man und kann eini­ges abwan­deln. Eben­falls zu emp­feh­len sind die haus­ge­mach­ten Eis- und Sor­bet-Sor­ten beim Nach­tisch, ganz spe­zi­ell das Basilikum-Sorbet!

Natur Pur — Plus Touristen

Feh­marn ist eine Insel mit viel Natur und einem sehr nach­hal­ti­gen Gedan­ken. Die Insel hat etli­che Wind­kraft­rä­der, die alle­samt von Feh­ma­ra­nern betrie­ben wer­den und die sich im Ver­band “Wind­ener­gie Feh­marn” zusam­men­ge­schlos­sen haben. Eben­falls fin­det man hier wirk­lich sehr vie­le Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen. Vor allem Bau­ern­hö­fe und gro­ße Lager­hal­len haben oft meh­re­re hun­dert oder sogar tau­send Modu­le auf rie­si­gen Dach­flä­chen. Wahr­schein­lich pro­du­ziert Feh­marn mehr Strom, als die Insel benötigt.

Bei­spiel­haft ein Bau­ern­hof in Kopen­dorf. Screen­shot von Goog­le Maps.

Der NaBu hat hier eben­falls eine Sta­ti­on, in Wall­nau. Dort küm­mert man sich um Was­ser­vö­gel und hat ein gro­ßes Reser­vat ange­legt. Die Vögel kann man beob­ach­ten und in der Sta­ti­on eini­ges über die Tie­re ler­nen. Tan­ja hat die Gele­gen­heit genutzt und direkt eine Mit­glied­schaft abgeschlossen.

Wir haben dort Gän­se, Enten, einen Kor­mo­ran und Rot­schen­kel gesehen.

Feh­marn liegt in der Ost­see wie ein Pfann­ku­chen in der Pfan­ne: flach und mit einer wenig rau­en See rund­her­um. Die “Steil­küs­te” im Osten der Insel ist gera­de mal ca. 4 Meter hoch. Zudem fällt auf, dass es hier wenig Sand­strand gibt, das meis­te ist Kies und Steine.

Der Tou­ris­mus ist hier um die­se Jah­res­zeit schon weni­ger gewor­den. Trotz­dem merkt man, dass er sich viel um etwas dreht, was ich “Indi­vi­du­al-Zusam­men­pfer­chung” genannt habe: Cam­ping. Es gibt erstaun­lich vie­le Cam­ping­plät­ze auf der Insel (min­des­tens 17!) und die sind auch alle noch recht gut belegt. 

Im Zen­trum der Stadt Feh­marn (nach der Zusam­men­le­gung aller Dör­fer zu einem Ver­wal­tungs­ge­biet 2003 hat die Insel Stadt-Sta­tus erlangt), dem Ort Burg, gibt es dem­entspre­chend vie­le Restau­rants und auch eini­ges zum Shop­pen. Den erwähn­ten Schmet­ter­lings-Park fin­det man dort genau­so, wie ein Aqua­ri­um.

Insel der frischen Luft

Wir haben in der ers­ten Woche Feh­marn viel zu Fuß erkun­det — die Leucht­tür­me bei­spiels­wei­se. Da die Insel recht groß ist, sind wir an ver­schie­de­ne Küs­ten gefah­ren und haben uns dort jeweils bei lan­gen Wan­de­run­gen in der schö­nen Natur erholt.

Man kann dabei Pil­ze sehen, hat öfters einen schö­nen Blick auf die Feh­marn­sund­brü­cke (genannt “Klei­der­bü­gel”, ein in vie­len Varia­tio­nen käuf­lich zu erwer­ben­des Wahr­zei­chen der Insel) und steht immer wie­der an der schö­nen Ost­see und kann den Blick bis nach Däne­mark schwei­fen lassen.

Wir haben den berühm­ten Ost­see­stöp­sel besucht, den Fäh­ren von Putt­gar­den nach Däne­mark zuge­se­hen und vie­le Sport­ler beim Wind- und Kite­sur­fen beobachtet.

Kite­sur­fer kön­nen eine hohe Geschwin­dig­keit errei­chen und beein­dru­cken­de Luft­sprün­ge vollführen.

Lekker Eten

Im Saar­land haben wir das anfangs erwähn­te Buch­nas Land­ho­tel Saar­schlei­fe noch ein zwei­tes Mal besucht, weil der dor­ti­ge Hase sowie das Steak total lecker und waren und pro­blem­los glu­ten­frei ser­viert wer­den konn­ten. Das ist auf jeden Fall ein Tipp!

An einem Abend haben wir uns im Wirts­haus zur Saar auf dem Weg zwei lecke­re indi­sche Gerich­te geholt. Lecke­res glu­ten­frei­es Cur­ry! Den Rest der Tage haben wir uns selbst versorgt.

Nur in Luxem­bourg haben wir uns noch­mal beim Besuch eines Restau­rants (Coro­na-kon­form drau­ßen geses­sen) rich­tig lecke­re Bur­ger gegönnt: Im urban in der Ober­stadt. Die dor­ti­gen Bur­ger kön­nen auf Wunsch mit glu­ten­frei­em Brot gemacht wer­den und waren hervorragend!

Am ers­ten Abend hier in Zee­land habe ich Goog­le Maps nach glu­ten­frei­en Restau­rants gefragt. Wie immer war die Ant­wort nicht ein­deu­tig, aber ein wenig durch-Web­sei­ten-Scrol­len spä­ter hat­te ich ein Restau­rant gefun­den: Das Bis­tro Bram hier in Oost­ka­pel­le. Laut Kar­te kann man eini­ges glu­ten­frei bekom­men, und so haben wir nach ca. 20 Minu­ten Fuß­weg dort einen Tisch auf der Ter­ras­se bekom­men. Glu­ten­frei war kein Pro­blem und man hat­te sogar glu­ten­frei­es Brot parat! Mit einem Tag Vor­ankün­di­gung, so sag­te man uns, wür­den sie auch eine Frit­teu­se glu­ten­frei hal­ten, damit wir Pom­mes bekom­men können.

Da wir am zwei­ten Tag nach Dom­burg gelau­fen waren, habe ich natür­lich auch dort mich vir­tu­ell umge­se­hen und habe das El Fue­go gefun­den: ein mexi­ka­ni­sches Restau­rant, in dem wir zwei­mal waren — mit lecke­ren glu­ten­frei­en Faji­tas, Enchil­adas und Nachos! Auch über Kon­ta­mi­na­ti­on wuss­te man dort Bescheid, was uns sofort posi­tiv auffiel. 

Wäh­rend­des­sen lief eine Anfra­ge, die ich per Mail geschrie­ben hat­te: Das nächst­ge­le­ge­ne Restau­rant zu unse­rer Unter­kunft ist ein Pfann­ku­chen­haus: De Pan­ne­ko­e­ken­bak­ker in Oost­ka­pel­le. Die Ant­wort fiel posi­tiv aus: Glu­ten­frei wäre kein Pro­blem! Einen Abend und 13 Geh­mi­nu­ten spä­ter saßen wir dort eben­falls drau­ßen und haben her­vor­ra­gen­de glu­ten­freie Pfann­ku­chen geges­sen! Drei mal in einer Woche. Mit jeweils einem glu­ten­frei­en süßen Pfann­ku­chen als Nach­spei­se zum herz­haf­ten Pfann­ku­chen. Erwähn­te ich, dass ich Pfann­ku­chen liebe?

Fazit: gf Essen in einem Urlaubs­ort in den Nie­der­lan­den ist deut­lich ein­fa­cher als in Deutschland … 

Zweiräder und die Geschichte

Hier in Oost­ka­pel­le ist man auf dem Gebiet der Gemein­de Vee­re. Vee­re selbst wur­de im Netz als schö­nes, altes Dorf bewer­tet, also haben wir uns gedacht: das schau­en wir uns mal an!

Nun ist Vee­re nicht all­zu weit weg, wir haben uns also für den kli­ma­freund­li­chen Weg nach alter nie­der­län­di­scher Tra­di­ti­on ent­schie­den: das Fahr­rad. Nach­dem wir an der Rezep­ti­on unse­rer Unter­kunft zwei Räder bekom­men hat­ten, mach­ten wir uns auf den Weg. Etwa eine Stun­de spä­ter waren wir die 14 Kilo­me­ter nach Vee­re gera­delt und wur­den vom dor­ti­gen Yacht­ha­fen begrüßt:

Der Yacht­ha­fen von Veere

Die schö­ne alte Stadt hat auch nied­li­che Gäss­chen und schö­ne alte Häus­chen. Es gibt auch ein Muse­um im alten Rat­haus (ein beein­dru­cken­des Gebäu­de), das wir jedoch nicht besucht haben. Zu dem Yacht­ha­fen gehört auch eine nied­li­che klei­ne Klapp­brü­cke, damit Schif­fe mit höhe­ren Mas­ten durch können.

Da wir mal wie­der per­fek­tes Timing hat­ten, sind wir genau zu einer Ver­an­stal­tung des Ortes mit unse­ren Zwei­rä­dern dort ein­ge­trof­fen und sahen schö­ne Zwei­rä­der ande­rer Art: Es fand das Sje­zen­rij­den statt. Ein Sport, bei dem der Bau­er mit der Kut­sche fährt und die Bäue­rin auf­ge­häng­te Rin­ge auf­spie­ßen muss. Das Gan­ze in Tracht und mit geschmück­ten Kut­schen und Pfer­den. Die­se Kut­schen hei­ßen Sje­zen, daher der Name.

Vee­re hat auch eine “Gro­te Kerk” — die seit über ein­hun­dert Jah­ren aller­dings kei­nen Got­tes­dienst mehr gese­hen hat. Sie ist heu­te Reichs­denk­mal, Kul­tur- und Ver­an­stal­tungs­stät­te und beher­bergt Aus­stel­lun­gen und ein Café.

Der Name aller­dings ist Programm:

Tan­ja für Größenvergleich…

Direkt dane­ben steht eine alte Zis­ter­ne, die genutzt wur­de, um das Regen­was­ser vom Kirch­dach auf­zu­fan­gen. Nied­lich im Grü­nen, außer­halb der Kirchmauern:

Die alte Zisterne

Bei Vee­re fängt auch der Kanaal door Wal­che­ren an, der die (Halb-)Insel teilt, durch Mid­del­burgh fließt und das Veer­se Meer, qua­si ein Bin­nen­meer, mit der See ver­bin­det. Dazu gehört natür­lich auch ein Schleu­sen­kom­plex mit einer klei­nen Schleu­se für die Sport­boo­te und Seg­ler, sowie einer gro­ßen Schleu­se für alle ande­ren Schiffe.

Wir kön­nen Vee­re als Aus­flugs­ziel nur emp­feh­len und über­le­gen auch, beim nächs­ten Besuch in Zee­land sowohl die Gro­te Kerk als auch das Muse­um zu besuchen.

Natur, Geschichte und das Klima

Vor­ges­tern — sprich: am Don­ners­tag — waren wir im Muse­um. das Wet­ter war nicht so super (ab und an klei­ne­re Schau­er, sonst oft bedeckt und viel Wind), und hier um die Ecke gibt es in der alten Oran­ge­rie des Kas­teel West­ho­ve (das jetzt eine Jugend­her­ber­ge ist) das Muse­um “Ter­ra Maris”, das sich mit der Land­schaft und dem Meer beschäf­tigt. Hier lernt man inter­es­san­tes über das Meer, die Ereig­nis­se der Flut­ka­ta­stro­phe von 1953 (wor­auf­hin die Del­ta­wer­ke aus dem vori­gen Bei­trag enstan­den sind) und das Kli­ma samt den Infos, was jeder zur Ret­tung bei­tra­gen kann. 

Die Nie­der­län­der sind von der Natur abhän­gig, denn es funk­tio­niert nicht, dem Meer solch gro­ße Land­ge­bie­te abzu­trot­zen, ohne Rück­sicht auf die Natur zu neh­men — sie rächt sich sonst. Und so sind sie auch in Sachen Kli­ma­schutz den Deut­schen weit voraus.

Zum Muse­um gehört auch ein schö­ner, ange­leg­ter Gar­ten, in dem man natür­lich auch eini­ges ler­nen kann:

Stadt-Cocktail

Rezept für einen Stadt-Cock­tail: Man nehme

  • Kopf­stein­pflas­ter
  • Nie­der­län­disch
  • Asphalt
  • Fran­zö­sisch
  • Ber­ge
  • Eng­lisch
  • Eisen­bahn
  • Lët­ze­bue­r­gesch
  • Fluss

Das Gan­ze schön durch­rüh­ren und in ein Tal kip­pen. Her­aus kommt: Die Stadt Luxem­bourg. Wer schon­mal hier war, wird es direkt ver­ste­hen: die Spra­chen sind bunt gemischt (auch auf ein un dem sel­ben Schild), Altes trifft auf Moder­nes (und wird ein­fach mit inte­griert) und die Men­schen spre­chen die Spra­chen eben­falls durcheinander.

Die Stadt selbst liegt wun­der­schön im, am und über dem Tal des Flus­ses Alzet­te, sie hat sich auf­grund des Bock­fel­sens, der hier güns­tig lag, gebil­det. Den hat Graf Sieg­fried I. 963 im Tausch­han­del mit einer Trie­rer Abtei erwor­ben — samt der namens­ge­ben­den klei­nen Burg.

In der Ober­stadt fin­det sich auch die Cité Judi­ci­ai­re, ein gan­zes Vier­tel mit vier Gerich­ten, zwei Staats­an­walt­schaf­ten und einem gemein­sa­men Gebäu­de mit Biblio­thek und Co.

Auch fin­det man die Ein­kauf­stra­ße in der Ober­stadt und etli­che Mög­lich­kei­ten, aus­zu­ge­hen. Auf­grund der schma­len Gas­sen und der vie­len alten Gebäu­de lässt sich auch gut erken­nen, dass hier im Mit­tel­al­ter das Herz­stück der auf­stre­ben­den Stadt war. Auch der her­zög­li­che Palast befin­det sich hier in der Ober­stadt, sowie der Sitz meh­re­rer Minis­te­ri­en und das Abgeordnetenhaus. 

Der Unter­stadt, auch “Grund” genannt, sieht man heu­te noch ihre Ver­gan­gen­heit als Gar­ni­sons- und Fes­tungs­teil an. Mitt­ler­wei­le gibt es aber auch hier Muse­en, Loka­le und einen schö­nen Park, durch den der Fluss läuft. Sowie­so ist die gan­ze Stadt ins­ge­samt sehr grün. 

Mit dem moder­nen Auf­zug im Stadt­teil Pfaf­fen­thal kann man aus der Unter­stadt wie­der in die Ober­stadt gelan­gen. Es lohnt sich schon allei­ne für die Aussicht. 

Beson­ders char­mant war auch einer der öffent­li­chen Müll­ei­mer, der einen freund­lich dar­an erin­ner­te, ihn doch bit­te auch zu benutzen. 

Auf­fäl­lig im Stadt­bild ist auch die “Rote Brü­cke”, ein Bau­werk aus den 1960er Jah­ren, die sich über das Tal der Stadt spannt. Sie ist von fast über­all aus wun­der­bar zu sehen. 

Le Pont Rouge — Die Rote Brücke 

Abge­se­hen von inter­es­san­ter Archi­tek­tur sind wir heu­te außer­dem in den Genuss eines Künst­ler­mark­tes in der Unter­stadt sowie eines wie auch immer gear­te­ten Fes­ti­vals gekom­men. Es gab Musik von einer Marsch­ka­pel­le und Cheer­lea­ding-Ein­la­gen dazu. 

Weltindustriehochkulturerbedenkmal.

Und wie­der ist The Tim Tra­vel­ler mit einem Video schuld. Wenn man schon in der Gegend ist, soll­te man auch das UNESCO Welt­kul­tur­er­be hier besu­chen: Die still­ge­leg­te Völk­lin­ger Hüt­te.

Dabei han­delt es sich um das welt­weit ein­zi­ge voll­stän­dig erhal­te­ne Eisen­werk. Ein rie­si­ges Are­al mit über sie­ben (!) Kilo­me­ter Weg durch die Anla­ge und das Gelände.

Hier kann man Indus­trie­kul­tur haut­nah erle­ben, erfah­ren und die Geschich­te dahin­ter ent­de­cken. Weil das Gelän­de so unglaub­lich rie­sig ist, haben wir heu­te auch nichts ande­res gemacht und waren über sechs Stun­den auf dem Gelän­de unterwegs.

In der Geblä­se­hal­le ist aktu­ell auch eine Aus­stel­lung zur Welt der Musik­vi­de­os. Die haben wir uns jedoch nicht ange­se­hen, son­dern sind von dort an den Roh­ren ent­lang gegan­gen und haben über die Brü­cke die Stra­ße über­quert. Dort steht die gro­ße Sin­ter­hal­le, in der zu klei­nes Rest­ma­te­ri­al auf­be­rei­tet wird, um doch wie­der in den Hoch­öfen genutzt wer­den zu können:

Es gibt auch eine Aus­stel­lung zu den meh­re­ren tau­send Zwangs­ar­bei­tern die in den dunk­len Jah­ren der deut­schen Geschich­te hier aus­ge­beu­tet wurden.

Oft­mals ist die schie­re Kom­ple­xi­tät des Gan­zen ein­fach über­wäl­ti­gend. Hier eini­ge Ein­drü­cke der Anlagen:

Auch die Möl­ler­hal­le und die Erz­hal­le sind beein­dru­ckend. Dort wur­den Erz und Erz­ge­mi­sche gela­gert und von dort aus ver­teilt. Hier fin­den sich in den ehe­ma­li­gen Erz­bun­kern Kunst­wer­ke der Austel­lung Urban Art. Die Hal­len sind ob ihrer Grö­ße ein­fach beein­dru­ckend. Die Möl­ler­hal­le war damals das größ­te Beton­bau­werk sei­ner Art.

Als wir die Möl­ler­hal­le durch­que­ren woll­ten, war dann der Kame­ra-Akku leer. Und weil ich der fes­ten Über­zeu­gung war, den zwei­ten zu Hau­se gela­den zu haben, war der natür­lich auch hier nicht gela­den wor­den. Daher ab jetzt Han­dy­fo­tos — sorry.

Unter der Möl­ler­hal­le ist ein bun­ker­ähn­li­ches Sys­tem von Schie­nen, in dem die Hän­ge­wa­gen für den Mate­ri­al­trans­port aus den ein­zel­nen Bun­kern gefüllt wer­den konn­ten. Düs­ter, klaus­tro­pho­bisch und bedrü­ckend. Die­se Ebe­ne beher­bergt eine Aus­stel­lung, die schlecht in Bil­dern fest­zu­hal­ten war.

Es folg­te der span­nen­de und anstren­gen­de Teil: wir bestie­gen den Hoch­ofen. Hier ist es — auf­grund vie­ler nied­ri­ger Stel­len — Pflicht, einen Helm zu tra­gen. Den bekommt man vor Ort an der Helm­sta­ti­on und kann sich dann an den Auf­stieg in 45m Höhe wagen. Die Aus­sicht ist fantastisch!

Die Aus­sicht von der obers­ten Platt­form bie­tet einen tol­len Blick. Und es gibt Bän­ke auf Schie­nen, so dass man sie sich zum gewünsch­ten Aus­blick rol­len kann. Aller­dings soll­te man schwin­del­frei sein, da man über Git­ter läuft.

Der Bereich der Kok­se­rei, wo das benö­tig­te Koks pro­du­ziert wur­de, ist jetzt “Das Para­dies”. Hier holt sich die Natur vie­les zurück und es ist ein impo­san­ter (teils ange­leg­ter) Gar­ten. Auch gibt es hier Bie­nen­völ­ker und natür­lich Kunst. Die­ser Bereich fühlt sich an, wie in einer Dys­to­pie. Ein ech­ter “Lost Place”:

Beein­dru­ckend auch der gro­ße Erz­schräg­auf­zug (ein tol­les Wort für Hang­man!). Hier wur­den die Hän­ge­wä­gen aus dem “Kel­ler” der Möl­ler­hal­le auf die gro­ße Tras­se oben an den Hoch­öfen gebracht. Das Sys­tem ist so kom­plex, dass eine Erwei­te­rung des Wer­kes nicht mög­lich war. Das Sys­tem war genau für die sechs Hoch­öfen ent­wor­fen worden.

Zum Schluss sind wir an den offe­nen Erz­bun­kern vor­bei gelau­fen. Auch die wur­den von der Natur wie­der­erobert und der alte 18t-Kran wacht nur noch über Bäu­me und Sträucher.

Alles in Allem ein sehr beein­dru­cken­der Kom­plex. Der unglaub­li­che Auf­wand, der hier betrie­ben wor­den ist, beein­druckt. Bis zu sei­ner Stil­le­gung 1986 hat das Werk knapp 60 Mil­lio­nen Ton­nen Eisen pro­du­ziert. 17.500 Men­schen waren hier ange­stellt. Die Stadt Völk­lin­gen leb­te den Ryth­mus des Eisen­wer­kes, das Quiet­schen der Hän­ge­wä­gen war wohl weit­hin zu hören.

Ich kann jedem, der in die Gegend kommt, nur emp­feh­len, hier mal vor­bei zu schauen.

Saarfari

Ent­span­nung und trotz­dem was Neu­es erle­ben — das ist der Plan für die­sen Urlaub. Daher began­nen wir ges­tern unse­ren Ankunfts-Abend mit einem kuli­na­ri­schen High­light im Buch­nas Land­ho­tel Saar­schlei­fe, deren Küche das mit dem Glu­ten­frei her­vor­ra­gend hin­be­kom­men hat.

Heu­te hin­ge­gen haben wir uns direkt dem Ent­de­cken (und damit der Bewe­gung) gewid­met. Ich hat­te die Saar­schlei­fe in einem Video von The Tim Tra­vel­ler gefun­den und wir muss­ten natür­lich sei­nem Weg fol­gen (ein Teil des Clo­ef Pfa­des, der sich die 200m von der Saar auf die Ebe­ne hoch schlängelt).

Da sich der Pfad sehr schön am Kliff hoch win­det, hat man zwi­schen­durch auch immer wie­der eine tol­le Aussicht.

Oben haben wir eine kur­ze Ruhe­pau­se ein­ge­legt und sind dann in wei­te­re Höhen auf­ge­stie­gen: der Baum­wip­fel­pfad Saar­schlei­fe. Er win­det sich über 1,2km durch den Misch­wald ober­halb der Saar­schlei­fe und bie­tet eine schö­ne Per­spek­ti­ve. Der Höhe­punkt — wort­wört­lich — ist dann der Aus­sichts­turm. Wei­te­re 42m über dem Boden haben wir damit fast 250 Höhen­me­ter Unter­schied zur Saar. Aber die Aus­sicht! Man kann sie nicht beschrei­ben, daher gibt’s jetzt Bilder:

Zooomzoom

Moder­nes lässt sich gut mit Altem ver­bin­den (sie­he Arti­kel “Kon­tras­te”), und so haben wir den Besuch der alten Stadt Dres­den mit dem moder­nen Erleb­nis des Elek­tro­au­to-Fah­rens ver­bun­den. Wir haben einen Renault Zoe gemie­tet und sind damit durch Dres­den und die Dresd­ner Umge­bung gedüst.

Ich hat­te vor­her nur kurz Leih-E-Autos, Tan­ja noch gar kei­ne Erfah­rung in der Rich­tung. Uns hat das Fahr­ver­hal­ten sehr gefal­len, man kann sehr dyna­misch damit fah­ren und der Wagen zieht sehr schnell an. Vie­les läuft auto­ma­tisch und der Wagen reagiert schön. Der Wen­de­kreis ist klein, der Kof­fer­raum erstaun­lich groß. 

Wir haben den Wagen (ohne dass der Akku leer gewe­sen wäre) auch gela­den, das ging pri­ma, sobald wir ein­mal her­aus­ge­fun­den hat­ten, wie die Lade­säu­le funktioniert. 

Geparkt am Elbeufer in Mei­ßen: Viel ist unter der Hau­be nicht. Vor allem sau­ber ist es. Aber der Elek­tro­mo­tor braucht auch Platz.

Fazit: E‑Au­to-Fah­ren macht Spaß. Es ist eine neue “Leich­tig­keit des Fah­rens” und die Sprit­zig­keit ist sehr ange­nehm. Die Reich­wei­te ist mit ca. 300km für vie­le All­tags­din­ge aus­rei­chend, für län­ge­re Fahr­ten jedoch unprak­tisch. Ich wür­de mir einen E‑Galaxy mit 550km Reich­wei­te wün­schen. Wer weiß, was die Zukunft bringt…