Inseleskes Wohnen

Nach­dem Tan­ja die spon­ta­ne Idee mit Rügen von einer ihrer Kol­le­gin­nen bekom­men hat­te, erin­ner­te ich mich dar­an, dass ich da jeman­den mit Feri­en­woh­nun­gen auf Rügen ken­ne.

Eine kur­ze Recher­che auf der Web­sei­te ergab, dass in der Vil­la Vogel­sang noch genau zwei Wochen frei waren. Eine E‑Mail spä­ter waren die zwei Wochen für uns gebucht, weni­ge Tage spä­ter der Miet­ver­trag unter­schrie­ben.

Zen­tral gele­gen (50m ent­fernt von der Bus­hal­te­stel­le “Binz Orts­mit­te”) han­delt es sich um eine sehr geräu­mi­ge und schön ein­ge­rich­te­te Feri­en­woh­nung in der ers­ten Eta­ge. Die Jas­mun­der Str. vor der Tür ist zwar recht stark befah­ren, aber die Woh­nung liegt nach hin­ten hin­aus und man bekommt da nichts von mit. Der PKW-Stell­platz hin­ter dem Haus ist im engen und park­platz­ar­men Binz wirk­lich von Vor­teil!

Man ist schnell auf der Haupt­stra­ße, nur 150m ent­fernt bekommt man her­vor­ra­gen­des Soft­eis (täg­lich wech­seln­de Sor­ten) und fin­det ein gutes indi­sches Restau­rant vor.

In der Woh­nung hat man vier Zim­mer, ein recht geräu­mi­ges Bad, eine klei­ne Abstell­kam­mer, einen gro­ßen Flur, ein groß­zü­gi­ges Schlaf­zim­mer mit Zugang zum Bal­kon und ein rie­si­ges Wohn­zim­mer mit Koch­ecke, Ess­ecke und eben­falls Zugang zu Bal­kon, zusätz­lich zu gro­ßen boden­tie­fen Fens­tern.

Die Woh­nung ist mit allem aus­ge­stat­tet, was man braucht: WLAN (lang­sam), Küchen­zei­le (ohne Back­ofen), Fern­se­her (40″), DVD-Play­er (SCART), Toas­ter (rot), Was­ser­ko­cher (eben­falls rot), Kaf­fee­ma­schi­ne (schwarz), Koch­feld (heiß) und Kühl­schrank (kalt). Nur ein Back­ofen fehlt. Da wir unse­re glu­ten­frei­en Bröt­chen auf­ba­cken woll­ten, habe ich vor­her schon eine Lösung für den feh­len­den Back­ofen gefun­den:

So haben wir in Binz her­vor­ra­gend gewohnt und uns sehr wohl gefühlt. Da die Fahrt­zeit auf dem Hin­weg 8,5 Stun­den (mit Pau­sen) betrug, haben wir uns ent­schlos­sen, auf dem Rück­weg die Fahrt­zeit zu hal­bie­ren und einen Zwi­schen­stopp ein­zu­le­gen.

So schrei­be ich die­sen Bei­trag jetzt aus der Pad­dock-Bar des ibis styles-Hotel in Vech­ta, nach etwa 60% der Stre­cke. Das Hotel ist hier in der Rei­ter­stadt erst im letz­ten Jahr “Pfer­tig” gewor­den (Zitat Web­sei­te ibis styles) und rich­tig chic. Hier kann man sehr sty­lisch über­nach­ten und die Bar bie­tet eine gute Aus­wahl an Geträn­ken.

Ein Segeltörn auf der Ostsee

Wenn man in Binz am Was­ser ist, wird oft der Blick wie auto­ma­tisch von einem gro­ßen Segel­schiff ange­zo­gen. Majes­tä­tisch liegt es an der See­brü­cke und zieht Besu­cher an.

Es han­delt sich um eine Bar­ken­ti­ne, in die­sem Fall ein drei­mas­ti­ger Groß­seg­ler, mit dem Namen Loth Loriën. Sie gehört der Ree­de­rei “Van der Rest Sail Char­ter” und hat als Hei­mat­ha­fen Ams­ter­dam.

Die Loth Loriën an der See­brü­cke in Binz

Man kann an Bord über­nach­ten oder gleich den gan­zen Seg­ler für Aus­flü­ge buchen. Oder man macht es wie wir und dreht mit ande­ren Gäs­ten zusam­men einen zwei­stün­di­gen Törn an Bord über die Ost­see.

An Bord gibt es eine Bar, die auch Cock­tails hat und eine wun­der­ba­re Aus­sicht auf die Küs­te. Wie weit man fährt, hängt natür­lich vom Wind ab. Es ist eine ent­span­nen­de und trotz­dem auf­re­gen­de Fahrt. Die Crew lässt einen auch durch­aus mal mit­se­geln…

“Hier­dran zie­hen bis es nicht mehr geht” ist durch­aus eine Anwei­sung, die ich als Land­rat­te noch befol­gen kann.

Das Schiff ist von 1907 und in den über 100 Jah­ren gut gepflegt und immer wie­der umge­baut wor­den. Beim Segel­set­zen zuzu­schau­en ist schon impo­sant.

Blick den vor­de­ren Mast hin­auf

Weil man ja an Bord sowie­so Zeit hat, und Aus­sicht genies­sen möch­te, kann man genau die­sen Mast auch hoch­klet­tern. Mit einem Klet­ter­gurt von Petzl und dem Matro­sen Jan am ande­ren Ende, der einen an der Ver­täu­ung sichert, geht es dann in die Take­la­ge:

Es kann nur Auf­wärts gehen!

Auf der zwei­ten Platt­form hat man dann einen wun­der­ba­ren Aus­blick auf Schiff und Küs­te:

Der Blick über Ach­tern
Der Bug des Schif­fes und die Segel von oben.

Für Leu­te mit dem Wunsch nach mehr Ner­ven­kit­zel kann man mit dem Speed­boot Run­den ums Schiff dre­hen, was viel und ger­ne genutzt wur­de:

Spaß für die gan­ze Fami­lie!

Das Schiff segelt unter Nie­der­län­di­scher Flag­ge und hat natür­lich auch die Flag­ge des Hei­mat­ha­fens gehisst. Fra­ge eines unbe­darf­ten Tou­ris­ten: “War­um haben Sie die Flag­ge vom Cof­fee­shop in Ams­ter­dam?”

So segelt die Loth Loriën gemüt­lich unter dem Schutz Ihres Dra­chen über die Ost­see.

Der Gol­de­ne Dra­che in der Take­la­ge…
…und über dem Namsns­schild an Bord.

Wenn man schon am Meer ist…

…dann geht man an den Strand und baut eine Sand­burg!

Aber weil das ja alle machen und weil das, was alle machen lang­wei­lig ist, gibt es in Binz aktu­ell die höchs­te Sand­burg der Welt zu sehen. Sie wur­de am 5. Juni 2019 vom Juror der “Guin­ness World Records” bestä­tigt: 17,66m ist Welt­re­kord!

Und weil ein­fach nur Sand auf­schüt­ten ja auch lang­wei­lig ist, gibt es an der Burg viel zu sehen:

Front­an­sicht
Man hat­te sehr viel Lie­be zum Detail.
In den 11.000 Ton­nen Sand gibt es viel zu ent­de­cken.
Wer genau hin­sieht, kann einen Dra­chen auf dem Schild des Rit­ters ent­de­cken.
Auch einen Hen­ker gibt es!

Die­se Burg wur­de letz­tes Jahr zum 10-Jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Bin­zer Sand­skulp­tu­ren-Fes­ti­vals gebaut. Das fin­det jedes Jahr statt, und die­ses Jahr ist das The­ma “Die Bibel”. Hier wur­den sehr detail­lier­te und fan­tas­ti­sche Ansich­ten in den Sand gezau­bert:

Die Schöp­fungs­ge­schich­te
Turm­bau zu Babel
Das Opfer Abra­hams
Die Arche Noah
Der Pha­rao, des­sen Träu­me von Josef gedeu­tet wer­den.
Der gestoh­le­ne Becher
Die Damen, die Moses in sei­nem Wei­den­korb fan­den.
Die neun Pla­gen im Reich des Pha­rao
Moses teilt das Rote Meer
Das Gol­de­ne Kalb
Der gefal­le­ne Engel. Hier beson­des schön dar­ge­stellt mit dem Engels­flü­gel oben und dem Teu­fels­flü­gel unten.
Die schö­ne Deli­lah schnei­det Sam­sons Haar
Das Jesus­kind ist im Stall gebo­ren
Die hei­li­gen drei Köni­ge
Das letz­te Abend­mahl

Die­se Bil­der sind natür­lich nur eine Aus­wahl — es gab ins­ge­samt 39 Sta­tio­nen bzw. Skulp­tu­ren in beein­dru­cken­der Detail­treue zu sehen. Tan­ja muss­te mir öfters Fra­gen wie “Was macht denn der Typ da?” beant­wor­ten, da ich mal wie­der kei­nen Plan von der Bibel hat­te…

Allein aus künst­le­ri­scher Sicht sind die Skulp­tu­ren beein­dru­ckend und selbst ich konn­te sehen, dass die Vor­la­ge für das Abend­mahl das berühm­te gleich­na­mi­ge Bild war, das sehr gut umge­setzt wur­de.

Sassnitzer Architektur

Der schon erwähn­te Stadt­ha­fen von Sass­nitz liegt 22m tie­fer als die soge­nann­te Ober­stadt. Um die bei­den bar­rie­re­frei mit­ein­an­der zu ver­bin­den wäre natür­lich ein Fahr­stuhl wie auf Hel­go­land mög­lich gewe­sen. Man hat sich jedoch für eine archi­tek­to­nisch sehr viel schö­ne­re Vari­an­te ent­schie­den: eine geschwun­ge­ne Fuß­gän­ger­brü­cke.

Die­se wird hier “Stadt­bal­kon mit Meer­blick” genannt und wur­de 2007 fer­tig­ge­stellt. Im Jah­re 2010 hat sie den Deut­schen Brü­cken­bau­preis in der Kate­go­rie “Fuß­gän­ger- und Rad­fah­rer­brü­cken” gewon­nen. Die Anfor­de­run­gen waren eine Her­aus­for­de­rung für das Inge­neurbü­ro: Es soll­te ein Wahr­zei­chen ent­ste­hen, die Krei­de­fel­sen durf­ten mög­lichst wenig belas­tet wer­den, es soll­te Bar­rie­re­frei sein und das an der Stel­le im Stadt­ha­fen ste­hen­de his­to­ri­sche Gebäu­de durf­te nicht beein­träch­tigt wer­den. Außer­dem soll­te ein schö­ner Blick auf Hafen und Meer mög­lich sein.

Die Fir­ma “Schlaich, Berg­mann & Part­ner” hat das sehr ele­gant und mit einer fan­tas­tisch anmu­ten­den Anmut umge­setzt: ein Teil als Stän­der­brü­cke, aber über dem his­to­ri­schen Hafen­bahn­hof mit einer ein­sei­tig auf­ge­häng­ten Hän­ge­brü­cke mit Ring­kreis­trä­ger. Klingt toll, sieht noch bes­ser aus:

Rechts der ein­zel­ne, tra­gen­de Stahl­mast, links die Brü­cke. Sie schwingt sich über den alten Hafen­bahn­hof und ist nur auf ihrer rech­ten Sei­te auf­ge­hängt. Im Hin­ter­grund der zwei­te Teil, als Stän­der­brü­cke aus­ge­führt.
Als Ergeb­nis gibt es einen völ­lig unge­hin­der­ten Blick auf das Meer.
Die Brü­cke wirkt fili­gran, fast trans­pa­rent. Das ist auch dem Stahl­seil-Netz geschul­det, das unter dem Gelän­der gespannt ist. Steht man auf ihr merkt man die leich­ten dyna­mi­schen Bewe­gun­gen, die jedem frei­ste­hen­den Bau­werk inne­woh­nen.

Unter den Wellen

Der Stadt­ha­fen von Sass­nitz im Nord­os­ten von Rügen bie­tet eine schö­ne Aus­sicht, einen Sport­ha­fen, Schiff­arts- und Hafen­mu­se­um, einen net­ten Laden mit Hand­werks­kunst, Ver­kaufs­schif­fe für aller­lei Fisch­ge­rich­te, vie­le Läden in den alten Hafen­ge­bäu­den und ein aus­ge­mus­ter­tes U‑Boot der bri­ti­schen Mari­ne, die H.M.S Otus.

Die­ses U‑Boot steht der Öffent­lich­keit als Muse­ums- und Anschau­ungs­ob­jekt zur Ver­fü­gung. Tan­ja hat­te noch nie ein U‑Boot in natu­ra von innen gese­hen, ich zuletzt vor vie­len Jah­ren in Den Hel­der. So beschlos­sen wir, uns das Unter­was­ser-Gefährt mal anzu­schau­en.

Das Inne­re ist beengt, jede Ecke ist mit Tech­nik voll­ge­stopft und es ist sehr schwer, Coro­na-Abstän­de zu wah­ren. Ich war froh um mei­ne neue Weit­win­kel-Lin­se für die Kame­ra, denn sonst hät­te ich kaum die Ein­drü­cke ver­nünf­tig fest­hal­ten kön­nen. So sind die fol­gen­den Bil­der mit 10mm Klein­bild-Equi­va­lent ent­stan­den:

Der Tor­pe­do-Raum — hier kommt man ins U‑Boot hin­ein und sieht, wo damals 21 Tor­pe­dos gela­gert wur­den und die Roh­re, durch die sie abge­schos­sen wor­den sind.
Die Echo­lot­an­la­ge — sie gibt die cha­rak­te­ris­ti­schen Pings ins Meer ab, die man etwa von Pink Floyds “Echoes” kennt.
Von hier aus wer­den die Tor­pe­dos gelei­tet. Viel Tech­nik…
Wer sich hier aus­kennt, muss wohl lan­ge dafür trai­niert haben…
Die gro­ßen Die­sel­mo­to­ren, die den Antrieb im auf­ge­tauch­ten Zustand dar­stel­len. Zwei klei­ne­re Gene­ra­to­ren laden einen gan­zen Berg Akkus auf, die dann den elek­tri­schen Ans­trieb im abge­tauch­ten Zustand sicher­stel­len. Qua­si ein Hybrid­fahr­zeug. Dadurch war das U‑Boot unter Was­ser so lei­se, dass es sich gut anschleich­ten konn­te. Daher wur­de die­se U‑Boot-Klas­se auch “Silent Hun­ter” genannt.
Die Kom­bü­se — hier muss­te täg­lich Essen für 68 Besat­zungs­mit­glie­der gekocht wer­den. Auf der Flä­che eine wirk­li­che Her­aus­for­de­rung.

Alles in Allem war es eine inter­es­san­te Erfah­rung und wir haben fest­ge­stellt, dass die Beweg­lich­keit, die uns das Klet­tern beschert, durch­aus hilf­reich ist, um sich durch das enge U‑Boot und vor allem die klei­nen Schotts zu bewe­gen.

Wenn man sich vor­stellt, wie die Mann­schaft Tage‑, Wochen- oder Mona­te­lang auf der­art engem Raum ein­ge­pfercht war, möch­te man die­sen Job nicht machen. Der Besuch lohnt sich trotz­dem auch für nicht Tech­nik- oder Mari­ne-affi­ne Men­schen.

Auf Borkum ist alles anders…

Wir sind wie­der auf Bor­kum, dies­mal für die zwei­te Feri­en­wo­che. Da wir hier zum größ­ten Teil ent­span­nen, gibt es nicht viel zu berich­ten.

Wir haben vie­le Schrit­te auf dem Schritt­zäh­ler, etli­che Kilo­me­ter auf dem Fahr­rad-Tacho und eini­ges gese­hen. Wir waren im Ost­land, sind viel am Strand ent­lang gelau­fen und haben wie­der die sehr loh­nens­wer­te Old­ti­mer-Bus­tour gemacht.

Spä­ter wird es dazu noch eini­ge Bil­der geben. Natür­lich haben wir auch wie­der sehr gut geges­sen. Für alle Zölis lohnt sich Bor­kum wirk­lich, wir haben in fol­gen­den Loka­len her­vor­ra­gend geges­sen:

  • Rias Beach Cui­sine — Her­vor­ra­gen­de “Flexitarian”-Küche mit einer klei­nen aber sehr lecke­ren Aus­wahl und einem schö­nen Ambi­en­te sowie her­vor­ra­gen­dem Ser­vice!
  • in undis — eine kuli­na­ri­sche Erfah­rung der spa­ni­schen Art — hier gibt es tol­le Tapas und glu­ten­frei ist kein Pro­blem! Der Unter­ti­tel ist Pro­gramm: “Spa­ni­en trifft Bor­kum”
  • Piz­ze­ria Il Faro — Her­vor­ra­gen­de glu­ten­freie Nudeln und Piz­za mög­lich (Ach­tung: die Piz­za wird im sel­ben Ofen geba­cken wie die gh-Piz­za!). Fami­li­en-Restau­rant mit vie­len Kin­dern.
  • Klein & Fein — ein etwas geho­be­nes Lokal mit her­vor­ra­gen­dem Ser­vice und noch bes­se­rem Essen. Der Kell­ner kennt alle Zuta­ten und die Küche ist sehr fle­xi­bel, um selbst den Gruß aus der Küche in glu­ten­frei anbie­ten zu kön­nen. Wirk­lich eine Emp­feh­lung!
  • Lütt­je Toorn­kie­ker — ein net­tes Café / Bis­tro, das auch als all­er­gik­er­freund­lich aus­ge­zeich­net ist. Hier gibt es lak­to­se- und glu­ten­frei­en Kuchen, der rich­tig lecker schmeckt!
Hei­ße Scho­ko­la­de und Kuchen im Lütt­je Toorn­kie­ker beim Alten Leucht­turm

Kleine, aber feine Orte

Zwei land­schaft­lich schö­ne Orte haben wir besucht, die jeweils auch ihre eige­ne Geschich­te haben.

Am 26. waren wir im Kle­lund Dyre­have. Dabei han­delt es sich um ein Wald‑, Wie­sen- und Hei­de­ge­biet, das als Natur­schutz­ge­biet abge­trennt wur­de. Es führt eine Kies-Stra­ße hin­durch und vie­le Wan­der­we­ge, zudem gibt es einen Aus­sichts­turm. Man glaubt dar­an, dass die Natur sich selbst regu­liert, wenn man ihr den Raum dazu lässt. So kann es pas­sie­ren, dass man auf dem 1.400 Hekt­ar gro­ßen Gelän­de (wir erin­nern uns: Hel­go­land hat 170 Hekt­ar inklu­si­ve Düne) kei­nes der Rehe oder Wild­schwei­ne sieht. Was man jedoch auf jeden Fall trifft, sind Amei­sen. Die sind in solch gro­ßer Zahl ver­tre­ten, dass sogar ein Kin­der­spiel­platz im Gebiet “Amei­sen” als The­ma bekom­men hat.

Spiel­platz mit Amei­sen­kö­ni­gin-Rut­sche (im Hin­ter­grund), Amei­sen­hau­fen-Klet­ter­ge­rüst und lau­ter klei­nen Holz­amei­sen.
Die fas­zi­nie­ren­de Archi­tek­tur des Aus­sichts­tur­mes.
Die schö­ne Aus­sicht. Klei­nes Blau­es Auto als Grö­ßen­ver­gleich.

Am 28. haben wir dann noch einen klei­nen, alten Park besucht, der sich Chris­ti­ne­ro nennt, was soviel bedeu­tet wie “Chris­ti­nes Ruh’ ”. Er wur­de in den spä­ten 1700er Jah­ren von Chris­ti­ne Frie­de­ri­ca von Hol­stein ange­legt, die 1777 mit ihrem Mann zusam­men (Chris­ti­an Frie­de­rich von Hol­stein, er war ihr Cou­sin) einen nahe­ge­le­ge­nen Hof mit dem tol­len Namen Faver­vrå­gård gekauft hat­te. Sie nann­te den Gar­ten “Mei­ne Gedan­ken”, weil sie sich zum Nach­den­ken dort­hin zurück­zog. Heu­te ist es ein Park mit alten Bäu­men, in dem man wun­der­bar wan­deln kann. Den Namen bekam der Park erst nach ihrem Tod 1812. Die von ihr beauf­trag­ten Gebäu­se sind aber noch vor­han­den.

Der Pavi­li­on, in dem man noch nett sit­zen kann.
Das Grab der Park­her­rin, schön zwi­schen den Bäu­men gele­gen.
Wun­der­ba­rer alter Baum­be­stand.
Der Plan des Parks

Von unseren Brüdern und Schwestern

Es gibt hier ein Dorf mit einem alten Dorf­kern, der zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be gehört. Es han­delt sich um den alten Dorf­kern von Chris­ti­ans­feld. Die­ser wur­de von der Herrn­hu­ter Brü­der­ge­mei­ne am 1. April 1778 als Plan­stadt ange­legt und ist heu­te noch Stand­ort der Gemei­ne. Dabei han­delt es sich um eine über­kon­fes­sio­nel­le christ­li­che Glau­bens­be­we­gung, die sehr auf Puris­mus aus­ge­legt ist. Dies zeigt sich zum Bei­spiel im Bau­stil und den schnur­ge­ra­de ange­leg­ten Stra­ßen:

schnur­ge­ra­de Stra­ße in Chris­ti­ans­feld
Die sehr unge­wöhn­li­che Kir­che mit dem Haupt­platz in der alten Stadt­mit­te.
Unge­wöhn­lich auch von innen: die Kir­che ist sehr schlicht, es gibt kei­ne Kan­zel, kei­ne Schnör­kel und sie ist quer bestuhlt.
Bis auf zwei moder­ne­re Lam­pen wird die Kir­che nur von Ker­zen erhellt. Und sie ist bis heu­te noch in Ver­wen­dung für die ca. 325 See­len zäh­len­de Brü­der­ge­mei­ne.
Der Ein­gang zum Fried­hof (von der Brü­der­ge­mei­ne “Got­tes­acker” genannt) ist schick — die Grä­ber dann jedoch schlicht. Jedes Grab bekommt einen leicht schräg lie­gen­den Stein mit den Daten. Der Indi­vi­dua­lis­mus beschränkt sich auf die Wahl der Schrift­art und einen klei­nen Zusatz­text.

Dass es “Chris­ti­ans­feld” als deut­schen Namen trägt, liegt schlicht­weg dar­an, dass die­ses Fleck­chen Erde wäh­rend der Grün­dung im deutsch­spra­chi­gen Schles­wig lag. Hier waren Deutsch und Fran­zö­sisch die Amts­spra­chen, und so sind auch vie­le der alten Grab­stei­ne auf Deutsch beschrif­tet.

His­to­ri­sche Bedeu­tung hat der Ort auch durch den Deutsch-Däni­schen Krieg erfah­ren. Im Hotel der Brü­der­ge­mei­ne wur­de am 18. Juli 1864 die Waf­fen­still­stands­ur­kun­de unter­zeich­net.

Heu­te ist Chris­ti­ans­feld grö­ßer gewor­den und besitzt zusätz­lich noch die Tyrs­trup Kir­ke der däni­schen Volks­kir­che. Auch hat man einen hüb­schen Gar­ten ange­legt, der zei­gen soll, wie die Gär­ten damals waren:

Klei­ner Gar­ten mit Pavil­li­on und schö­nen Blu­men. In den hin­te­ren Rei­hen wächst Obst.
Klei­ne Erd­bee­ren (mit vie­el Geschmack!), Äpfel, Sta­chel- und Johan­nis­bee­ren wachen hier. Wir haben mal genascht…

Nah am Wasser gebaut

In die­sem Fal­le wohl prä­zi­ser: im Was­ser gebaut. Das von Tan­ja schon erwähn­te “Fjor­den­hus” ist achi­tek­to­nisch so beein­dru­ckend, dass ich hier noch ein paar Wor­te (und Bil­der) dar­über ver­lie­ren woll­te.

Noch­mal zur Erin­ne­rung: so sieht es von vor­ne, von der Stadt aus gese­hen aus.

Es han­delt sich hier­bei um ein Kunst­ob­jekt, das von einer Fir­ma namens “Kirk Kapi­tals” in Auf­trag gege­ben wur­de und jetzt als Fir­men­sitz genutzt wird. Ent­wor­fen und gebaut hat das Gan­ze ein Dänisch-Islän­di­scher Künst­ler namens Olafur Eli­as­son. Die unters­te Eta­ge in dop­pel­ter Höhe ist teil­wei­se öffent­lich zugäng­lich und als begeh­ba­res Kunst­werk ange­legt:

Direk­ter Blick aus dem Gebäu­de auf die Ost­see und die Vej­lefjor­dbro­en (Vej­lefjor­d­brü­cke)
Tei­le der unte­ren Eta­ge haben kei­nen Boden und sind vom Meer geflu­tet.
Das Fjor­den­haus-Foy­er mit Kunst an der Decke und Blick auf den Ost­see-Fjord.
Auch an der Decke fin­det sich zwi­schen­durch Kunst.

Das gesam­te Gebäu­de ist wohl auch in den Büro-Eta­gen mit Run­dun­gen und Ellip­sen ange­legt. Aus die­sem Grun­de hat der Künst­ler auch direkt pas­sen­de Möbel ent­wor­fen. Auch die Trep­pen­häu­ser sind pas­send zum run­den The­ma mit Wen­del­trep­pen gebaut. Die­se Eta­gen sind lei­der nicht öffent­lich zugäng­lich, man kann jedoch Tou­ren buchen. Ansons­ten kann ich jedem emp­feh­len, die Web­sei­te des Fjor­den­hus zu besu­chen.

Muh! Schlafen im Stall.

Unse­re Unter­kunft heißt “Den Gam­le Kostald”, was über­setzt nichts ande­res heißt als “Der alte Kuh­stall”. Dem­entspre­chend fin­det man hier über­all Kühe in Form von Salz- und Pfef­fer­streu­ern, Tas­sen, Eier­be­chern, Stoff­kü­hen, elek­tro­nisch sin­gen­den Kühen, Bil­dern und vie­lem mehr.

Salz und Pfef­fer von *sehr* glück­li­chen Kühen…

Die Bruuns spre­chen Eng­lisch und ein wenig Deutsch. Glu­ten­frei­es Früh­stück ist gar kein Pro­blem. Jeden Mor­gen gibt es glu­ten­frei­es Brot und Bröt­chen, Mar­me­la­de, Wurst, Käse, Scho­ko­la­den­tä­fel­chen, Obst und Honig sowie ein Ei. Man ist also wun­der­bar ver­sorgt. 🙂

Unser Zim­mer ist recht geräu­mig und wir haben eine Gemein­schafts­kü­che, eine Gemein­schafts-Ter­as­se und einen gro­ßen Gemein­schafts-Saal zur Ver­fü­gung. Wer mehr Bil­der sehen möch­te, kann hier in die Gal­le­rie schau­en.

Unser Bett ist sehr bequem und nach dem doch recht har­ten Bett des ibis bud­get in Ham­burg eine Wohl­tat. Die Lage ist außer­halb, sehr ruhig gele­gen. Rund­her­um gibt es viel Grün, vor allem Fel­der. Trotz­dem ist der Weg zur Auto­bahn (E20) nicht weit und man ist in 25 Minu­ten in Ribe.